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Cassandra Wyss: Klassische Doppelbegabung

Die junge Schweizer Künstlerin spricht im Interview über ihre Aktivitäten als Pianistin und Sopranistin - und über ihre neue CD...
Z. LJepojevic an 18. Februar 2015 - 09:34 in e-Commerce Interviews, Shopping
Cassandra Wyss

Cassandra Wyss jüngst veröffentlichte zweite CD mit Werken von Stenhammar und Sibelius

Cassandra Wyss, 1993 in Lugano geboren, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein klassisches Doppeltalent: Die junge Schweizer Künstlerin gilt nicht nur als eine der interessantesten Pianistinnen der aktuellen Klassik-Szene, sondern ist auch eine hoch talentierte Sopranistin mit großen Ambitionen. Ein Höhepunkt ihrer pianistischen Karriere war im Oktober 2013 ihre umjubelte Aufführung des zweiten Klavierkonzerts von Sergei Rachmaninow in der Berliner Philharmonie mit den Berliner Symphonikern unter der Leitung von José Maria Moreno. Ein Jahr zuvor erschien ihre erste CD mit Klavierwerken des schwedischen Romantikers Wilhelm Stenhammar. Auch ihre jüngst veröffentlichte zweite CD steht im Zeichen Skandinaviens: Wieder erklingen Werke von Stenhammar, ergänzt durch selten zu hörende Klavierwerke des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius, dessen 150. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert. – Und die Sopranistin Cassandra Wyss? Feierte erst kürzlich im Münchner Herkulessaal ihr Deutschland-Debüt mit der Kammerphilharmonie dacapo München unter der Leitung von Franz Schottky. Bei dieser „Matinée der Arien“ sang Cassandra Wyss unter anderem Arien von Giacomo Puccini und Jacques Offenbach. Im Interview spricht die Künstlerin über ihre Doppelbegabung und erklärt, warum sie sich weder allein als Pianistin noch als Sopranistin empfindet…

Frau Wyss, nach Ihrer hochgelobten Debüt-CD mit Klavierwerken von Wilhelm Stenhammar, die 2012 bei Capriccio erschienen ist, haben Sie Ihr Stenhammar-Projekt jetzt beim selben Label fortgesetzt. Was war der Grund dafür?

Ich hatte das Gefühl, noch nicht alle entscheidenden Werke von ihm gespielt zu haben, und so war es mir sehr wichtig, dass auch die g-Moll-Sonate ihren Platz findet. Es handelt sich dabei um ein persönliches Schlüsselwerk von Stenhammar. Die Phantasmen, diese Andersartigkeit, diese fremde Welt, dieses Entführen in eine Sphäre, die man ja in einer anderen Form schon von Grieg her kennt – und das alles in Reinkultur, da war ich einfach bezaubert.

Stenhammars g-Moll-Sonate, die Sie unter anderem auf der neuen CD spielen, ist in der pianistischen Welt fast völlig unbekannt – im wahrsten Sinne des Wortes: unerhört…

Ja, das stimmt. Die Sonate hat er 1890 geschrieben, 1891 uraufgeführt und ab da nie wieder gespielt. Sie geriet in Vergessenheit, wie übrigens viele seiner Solo-Klavierwerke. Dabei hat er sehr sorgfältig geschrieben. Er hat die Titelseite sogar auf Deutsch verfasst, was darauf hindeutet, dass er die Absicht hatte, das Stück international aufzuführen. Leider wurde die Sonate erst viele Jahre nach seinem Tod wiederentdeckt und erst 2008 veröffentlicht.

Was bedeutet Ihnen diese Sonate?

Diese Sonate hat eine ganz besondere emotionale Bedeutung für mich. Sie war Stenhammars Schritt zum Erwachsenwerden; sie hat genau diesen Sog, diese Energie, dieses kraftvolle Nach-Vorne-Gehen. Das ist nicht bloß schnell, virtuos, leidenschaftlich – nein! Man wird sich als Interpret auch seiner eigenen Schwächen bewusst, wo es um die Adoleszenz geht, wo man vor schwierigen Aufgaben steht, wo man merkt: es geht im Leben um was. Man wird sich auch seiner Grenzen bewusst, was vielleicht im ersten Moment ungewohnt ist, weil man als Kind an so etwas noch nicht denkt. Man merkt plötzlich, dass es dies alles gibt und spürt, dass man mit Geduld aus Schwächen auch Stärken machen kann. Man kann die Grenzen auch erweitern, was zwar sehr viel Kraft braucht – aber das ist eben das Tolle am Erwachsenwerden, zu sehen, wie viele Möglichkeiten einem offen stehen. Diese ganzen Assoziationen stecken für mich in der Sonate.

Wenn ich Sie richtig verstehe, nähern Sie sich den Komponisten und Werken, die sie spielen, sehr subjektiv an?

Bei mir ist es so, dass ich mir die Stücke erst einmal anhöre und auf mich wirken lasse. Ich nehme das in mir auf. Ich weiß dann sehr schnell, ob mich das reizt, ob ich das spielen und meine Persönlichkeit darin verarbeiten will. Nur zu diesem Zweck höre ich mir die CD-Aufnahme an. Wenn ich dann das Gefühl habe: ‚darin finde ich mich wieder, das entspricht mir‘, befasse ich mich mit der Partitur, mit dem Aufbau und der Dynamik des Werkes – aber wirklich erst dann. Meine Beschäftigung mit der Partitur trenne ich von allem Technischen, damit ich mich zunächst auf der anderen Ebene sicher fühle.

Auf Ihrer CD sind ja auch Klavierwerke von Jean Sibelius zu finden, unter anderem die selten zu hörenden, vom Komponisten selbst stammenden Klavierbearbeitungen seiner Orchesterwerke „Valse triste“ und „Finlandia“. Wie haben Sie sich diese Werke für sich entdeckt?

Da Sibelius ein Komponist war, der sehr orchestral gedacht hat, habe ich mir nicht die Klavierfassungen, sondern sofort die Orchesterfassungen angehört. Welches Instrument verwendet er bei welcher Figur? Wie klingt das? Diese Wucht, diese Kraft, dieses Feeling… Für mich war wichtig, dass diese Dinge auch beim Klavierspiel zu hören sind. So habe ich versucht, das zu imitieren: Zum Beispiel die Fanfaren der Trompeten oder Streicherfiguren so plastisch wie möglich nachzuzeichnen. Ich habe wirklich versucht, vom pianistischen Denken etwas wegzugehen und das sängerische Empfinden einzuschalten. Das hat mir ein Stück weit geholfen. Auf diese Art und Weise habe ich versucht, das Ganze wie ein Dirigent zu steuern.

Mit der Formulierung „sängerisches Empfinden“ haben Sie gerade ein wichtiges Stichwort geliefert. Sie selbst sind ja nicht nur Pianistin, sondern auch Sopranistin. Wie bringen Sie beides unter einen musikalischen Hut?

Für mich geht das hervorragend zusammen! Als Pianist soll man sich an der Stimme orientieren, da sie das Erste ist, was dem Menschen zugänglich ist. Jeder kann sie benutzen, auch ohne große Kenntnisse, denn Emotionen sind das Wichtigste. Musik und Emotionen gehen für mich Hand in Hand. Das eine kann für mich nicht existieren ohne das andere. Als Sängerin gehe ich ganz anders an die Stücke und Melodien heran. Ich habe ganz andere Klangvorstellungen von den Höhepunkten: wie gestalte ich die Melodielinie und ein Legato, das ja das A und O beim Singen ist? Auch die Atmung unterschätzen viele, dabei ist gerade sie für Pianisten besonders wichtig. Die Atemtechniken, die ich in meiner Eigenschaft als Sopranistin erworben habe, helfen mir beim Klavierspielen sehr.

Was stand bei Ihnen am Anfang Ihres musikalischen Denkens und Fühlens: das Singen oder das Klavier?

Ich bin durch das Singen zur Musik gekommen. Der Gesang ist etwas, das mich von frühester Kindheit an begleitet hat, zusammen mit dem Klavier. Das Instrument stand in den letzten Jahren im Vordergrund meiner Aktivitäten, auch deshalb, weil der Entwicklungs-Zyklus beim Gesang anders verläuft als beim Klavierspiel. Lange Zeit habe ich bei meinen zwei Talenten geglaubt, ich müsse mich zu irgendeinem Zeitpunkt für die eine oder andere Richtung entscheiden. Und je näher dieser vermeintliche Zeitpunkt heranrückte, desto schlechter ging es mir – weil ich spürte: egal, wie ich mich entscheide, etwas für mich ganz Wichtiges bleibt dann auf der Strecke. Und, ganz merkwürdig: Das Rachmaninow-Konzert in der Berliner Philharmonie hat mir klar gemacht, dass ich nicht entweder eine Sängerin oder eine Pianistin, sondern eine Musikerin bin und dass für eine glückliche und erfüllte Zukunft nur beides für mich in Frage kommt.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Wyss.

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Z. LJepojevic

Seit 1996 programmiert er und leitet Projekte im Bereich Web Datenbanken, e-commerce und CMS. In den letzten Jahren arbeitete er als IT Manager eines internationales Pharma Unternehmens, als Online/- Shop Manager, SEO/SEM und leitete Relauch einer großen Online Apotheke. Er ist gelernter Online Programmierer und engagiert er sich in der Entwicklung von OpenSource CMS Software.

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