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Billig? Kann ich mir nicht leisten!

Claus Fahlbusch an 21. September 2016 - 14:27 in e-Commerce Highlights, Logistik
Claus Fahlbusch - Gründer und Geschäftsführer der Hamburger shipcloud GmbH

Claus Fahlbusch ~ Gründer und Geschäftsführer der Hamburger shipcloud GmbH

Wir als Multicarrier-Plattform sehen täglich zig-tausende Pakete durch unsere Plattform laufen. Und wir haben täglich Kontakt zu Händlern, bei denen der Versand nicht immer perfekt klappt, das heisst, entweder die Abholung funktioniert mal wieder nicht oder eben die Zustellung. Dies veranlasst mich heute, mal aufzuschreiben, wie die Situation bei den Paketdiensten in Deutschland ist. Um einen Denkanstoß zu geben, was man als Versender bedenken muss, will man seine Pakete schnell und zuverlässig zu seinen Kunden bekommen.

Dazu ein immer wiederkehrendes Beispiel: Ein kleiner Online-Händler mit 5 Paketen pro Tag hat seine Versandstelle idyllisch gelegen auf dem Land, 20 Kilometer von der nächsten Einlieferungsstelle irgendeines Paketdienstes entfernt. Er hat selbstverständlich den Anspruch, dass seine Online-Kunden ihre Ware am nächsten Werktag in den Händen halten. Und natürlich soll der Kunde auch nichts für den Versand bezahlen. Dieser Kostendruck plus die „deutsche Sparfuchs-Mentalität“ führen dann dazu, dass der Händler für seinen Versand den günstigsten Versender auswählt. Regelmäßig ist dieser Händler dann aber stinksauer, dass die Abholung seiner 5 Pakete relativ häufig nicht stattfindet. Schuld ist dann natürlich der Paketdienst, der seinen verdammten Job nicht ordentlich macht.

Schaut man aber mal hinter die Kulissen, stellt sich dieser Fall für den Paketdienst, „der seinen verdammten Job nicht richtig macht“, so dar: Er beschäftigt einen Subunternehmer, eine der ärmsten Seelen in diesem Land, der sein eigenes Auto inklusive Benzin und seine Berufskleidung selbst mitbringen muss und zahlt ihm sagenhafte 1 € pro Paket. Das ist sicher schon mal nicht fett, in einer Innenstadtlage mit 20-30 Paketen pro Stunde aber vielleicht noch irgendwie ok. Im Beispiel oben muss der Fahrer aber 20 Kilometer hin und auch wieder zurück fahren, um 5 Pakete abzuholen. Rechnet man mit Fahrtkosten von 0,50 € pro Kilometer, kommt man schon bei 20 € für die An- und Abfahrt heraus. Und dies nur für den fahrbaren Untersatz. Eine Entlohnung für den Fahrer ist da noch gar nicht drin.

Denn sie wissen, was sie tun

Es kann jeder Grundschüler ausrechnen, dass eine solche Fahrt finanziell in höchstem Maße unattraktiv für den Fahrer ist. Also versucht er seinen Verlust zu minimieren und fährt einfach nicht hin. Der Paketdienst müsste dem Fahrer nun eigentlich „auf die Füsse treten“. Macht er aber nicht, weil er erstens sowieso nur wenige Leute findet, die zu einer solch miesen Bezahlung den Job machen würden und zweitens weil er genau weiss, wie die Situation für den Fahrer ist.

Als Händler kann ich mich jetzt natürlich auf den Standpunkt stellen, „mir doch egal, ich zahle einen billigen Paketpreis, also erwarte ich auch perfekte Leistung“ und kräftig mit dem Fuss aufstampfen. Schlauer wäre es allerdings, über die Sache mal nachzudenken und zu überlegen, was mir als Händler wichtiger ist. Zufriedene Kunden, die zuverlässig und schnell ihre Bestellung geliefert bekommen oder eine 50 Cent-Ersparnis beim Paketpreis. Was kostet mich ein unzufriedener Kunde im Vergleich zu einem höheren Paketpreis?

Es gibt Paketdienste, die beschäftigen keine Subunternehmer, sondern eine Flotte von angestellten Fahrern mit Tarifvertrag und Autos. Diese Paketdienste kommen auch in den hintersten Winkel des Landes und das mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit. Dies lassen sie sich mit generell höheren Paketpreisen bezahlen.

Also, liebe Händler, überlegt Euch, was Euch wichtig ist beim Versand – billig kann auch teuer werden.

Claus Fahlbusch

Claus Fahlbusch ist Gründer und Geschäftsführer von shipcloud.io, dem führenden deutschen Shipping Service Provider aus Hamburg.

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