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Die möglichen Folgen der Brexit-Abstimmung für Payment-Dienstleister

Das Referendum der Briten am 23. Juni entscheidet über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union. Neben der politischen Tragweite und ihrer deutlichen Signalwirkung hat die Entscheidung auch Auswirkungen auf den Binnenmarkt der EU – und auf den E- Commerce innerhalb Europas.
Mirko Hüllemann an 22. Juni 2016 - 10:43 in Payment
Brexit

Der Brexit – und welche Folgen der Ausstieg Großbritanniens aus der EU für Payment-Dienstleister mit Sitz in GB haben könnte. (© danielo – Shutterstock.com)

Als größter E-Commerce-Markt birgt Großbritannien für Händler nicht nur beträchtliche Chancen in Bezug auf Kunden und Umsätze. Auch im Bereich der Finanzdienstleistungen zählt Großbritannien zu den wichtigsten Ländern der EU. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen sind bei einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU sowohl für die E-Commerce-Branche als auch für einzelne Händler zu erwarten?

Am offensichtlichsten ist sicherlich der Wegfall des Zoll- und Einfuhrumsatzsteuer-befreiten Handels zwischen Großbritannien und der EU. Dies dürfte allerdings nur sehr geringe Auswirkungen auf den europäischen Markt haben, da die Briten nach aktuellen Studien eher in den USA, Australien und China shoppen, als die Produkte ihrer direkten Nachbarn über das Internet zu beziehen. Schon deutlich spannender sind eventuelle Änderungen im Bereich der Kosten und Gebühren für Zahlungen per Kreditkarte – für den Fall, dass Acquirer ihren Sitz in Großbritannien haben oder es sich um Kunden handelt, die von dort einkaufen. Hier könnten die Gebühren empfindlich steigen, was vor allem für Händler mit britischen Akzeptanzverträgen erhebliche Mehrkosten verursachen könnte.

Der größte Effekt ist jedoch für Dienstleister der Finanzdienstleistungsbranche zu erwarten. Durch die komfortableren Möglichkeiten der Firmengründung und die weit weniger strengen Auflagen der britischen Finanzdienstleistungs-Aufsichtsbehörde sind viele Anbieter in Großbritannien als Limited ansässig. Im Falle eines Brexits ist anzunehmen, dass Händler ihren Status als Limited verlieren – und damit ihre Geschäftsgrundlage für Aktivitäten in der EU. Das hätte nicht nur dramatische Folgen für die Zahlungsdienstleister, sondern auch für deren Kunden.

Trotz aller möglichen Folgen – wir müssen abwarten, wie die Briten abstimmen. Falls sie sich für einen Ausstieg entscheiden, sind alle Bereiche, die davon betroffen sind, neu zu regeln. Hier sind Handels-Abkommen wie mit der Schweiz oder Norwegen denkbar – was die Auswirkungen in Grenzen halten dürfte. Für Onlinehändler, deren Payment-Provider seinen Sitz in Großbritannien hat, ist ein möglicher Brexit in jedem Fall kritisch – gerade mit Blick auf die PSD2. Falls Großbritannien aus der EU ausscheidet, könnten die dort ansässigen Zahlungsdienstleister zukünftig unter die Aufsicht der Aufsichtsbehörde des Landes fallen, in dem sie aktiv sind. Im Falle von Deutschland wäre das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Mirko Hüllemann

Mirko Hüllemann (Jahrgang 1969) ist Gründer und Geschäftsführer der Heidelberger Payment GmbH, kurz: heidelpay, ein von der BaFin zugelassenes und beaufsichtigtes Zahlungsinstitut für Online-Paymentverfahren. heidelpay deckt das komplette Leistungsspektrum der elektronischen Zahlungsabwicklung ab: vom Processing der Transaktionen über die Tätigkeit als Acquiring-Bank bis hin zum Monitoring und Risikomanagement. Vor der Gründung von heidelpay im Jahr 2003 war Mirko Hüllemann u.a. für verschiedene Anbieter von Online-Zahlungsdiensten tätig: als Vertriebsleiter für die paybox.net AG und als Geschäftsführer für die United Payment GmbH.

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