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So könnte die Zukunft von Magento aussehen

Adobe hat Magento gekauft. Dieser Deal wird voraussichtlich weitreichende Folgen haben: Andere große Software-Konzerne stehen nun unter Druck und unter Zugzwang. Und einstige Magento-Mitbewerber könnten vom Markt verschwinden.
Tim Hahn an 27. Juni 2018 - 10:52 in e-Commerce News
Tim Hahn - netz98

Tim Hahn ~ netz98

Seitdem Adobe kürzlich bekannt gab, Magento für rund 1,7 Milliarden US-Dollar zu übernehmen, überschlagen sich die kritischen Kommentare und Fragen: Was wolle der Software-Gigant Adobe mit dem kleinen Magento? Macht die Übernahme wirklich Sinn? Das Problem ist, dass Magento – leider – von vielen IT-Profis, E-Commerce-Experten und Entwicklern lediglich als Shopsoftware für überschaubare B2C-Projekte angesehen wird. Diese Betrachtungsweise stimmte vor vielen Jahren noch, doch mittlerweile ist sie komplett überholt. Adobe und Magento passen bestens zusammen, da sie in vielen Bereichen die gleiche Flughöhe haben und sich zudem auch mit verschiedenen Puzzleteilen bestens ergänzen können.

Vom Underdog zum Leader: Magentos verwandelte Positionierung

Als Magento 2008 offiziell erschien, war es eine reine Open-Source-Software. Im Laufe der folgenden Jahre wurde Magento ständig weiterentwickelt, um eine Geschäftskunden-Fassung (Magento Enterprise) erweitert und radikal verbessert (zum Beispiel mit Magento 2, das mehr als nur ein Update war). Zudem folgten die Magento B2B-Edition fürs Geschäftskunden-Business und die reine Cloud-Variante (Magento Commerce Cloud).

Mit der Weiterentwicklung erfolgte auch eine stetige Anpassung der Positionierung. Einerseits ist Magento dank der Magento Open Source Edition weltweit bei Start-ups und kleinen Unternehmen im Bereich B2C beliebt und sehr häufig im Einsatz. Andererseits ist die Enterprise-Edition, die mittlerweile Magento Commerce genannt wird, die Speerspitze in eine andere Richtung. Mit Magento Commerce (Cloud) lassen sich komplexe B2C- wie auch B2B-Onlineshops realisieren, Omnichannel- und Cloud-Projekte ebenso. Zudem ist Magento Commerce derart flexibel, dass sich damit auch Plattformen für die Digitalisierung von Unternehmen entwickeln lassen.

Für die Positionierung im Enterprise-Segment bedeutet das: Magento Commerce konkurriert mit Salesforce/Demandware, IBM Websphere, Oracle NetSuite und SAP Hybris. Das sehen auch die Marktanalysten von Gartner so und haben Magento – aufgrund seiner Flexibilität und zukunftsweisenden Technologien – erneut als ein „Leader“ im „Magic Quadrant for Digital Commerce“ eingestuft.

Zusammenfassend bedeutet das: Magento ist bestens positioniert. Magento Open Source kommt bei Start-ups und kleinen Unternehmen zum Einsatz, die Commerce-Fassung bei Unternehmen im Midsize- und International Enterprise-Business – dazu zählen unter anderem Coca Cola, LIEBHERR und Burger King. Somit ist Magento im Ganzen mehr als „nur“ eine Shopsoftware, sondern eine umfassende CommerceTech-Lösung.

Wie profitiert Adobe von Magento?

Mit der Übernahme von Magento sichert sich Adobe große Marktanteile im E-Commerce-Segment. Je nach betrachtetem Segment kauft sich Adobe mit der Übernahme einen Marktanteil in Deutschland zwischen 17 und 25 Prozent. Wird Magento in die Adobe Experience Cloud integriert, können die Kunden von Adobe die Online-User und Onlineshopper von Anfang bis Ende ihrer Customer Journey begleiten, um daraus wichtige Daten und Erkenntnisse zu gewinnen. Das ist wichtig für mittelständige und große Unternehmen. Sie benötigen heutzutage mehr als lediglich einen Onlineshop. Sie müssen modernen E-Commerce betreiben, der zugleich die eigene Digitalisierung voranbringt. Das weiß Adobe. Mit Magento im Portfolio kann Adobe ein Rundum-Paket für B2C- und B2B-treibende Unternehmen anbieten.

Der Magento-Deal sorgt für mehr Wettbewerb

Magento versucht seit ein paar Monaten das Cloud-Business zu pushen. Darin liegt die Zukunft, dessen sind sich die Entscheider bewusst. Adobe besitzt schon länger eine Expertise im Cloud-Business. Seit einigen Jahren gibt es Photoshop, Premiere, Illustrator, InDesign und viele weitere Produkte als SaaS-Lösung. „Adobe can accelerate Magento’s transformation from licensing business into a cloud business“, meint der Digital-Experte Dries Buytaert. Diese Transformation könnte in naher Zukunft in eine „Adobe Commerce Cloud“ münden. Ein Weg, der durchaus Sinn macht. Derart kommen Nutzer automatisch immer in den Genuss der aktuellsten Patches und können zudem ihr Business flexibel skalieren. Zudem ist selbst im Cloud-kritischen Deutschland die Zeit reif für derartige Zukunftstechnologien. Dank der DSGVO und anderen Datenschutz-Regelungen dürfte die Zeit der Skepsis vorüber sein.

Salesforce, IBM, SAP: Viele große Software-Unternehmen haben eine E-Commerce-Komponente in ihrem Portfolio. Diese fehlte bislang bei Adobe. Mit der Übernahme von Magento kommt Bewegung in die Konkurrenzsituation, denn Big Player wie Microsoft, Facebook und Google besitzen noch keine eigene ShopTech-Lösung. Auch für sie wäre es attraktiv, sich einen Teil des wachsenden E-Commerce-Marktes zu sichern – zum Beispiel ebenfalls durch anorganisches Wachstum.

Der Onlinehandel boomt, ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Besonders attraktiv fällt der B2B-Markt aus. Er wird unter anderem deswegen steil wachsen, da bislang nur ein kleiner Teil der deutschen Unternehmen ihre Business-to-Business-Geschäfte über E-Commerce-Plattformen abwickeln. Hier schlummert noch ein gewaltiges Potential. Und das besonders beim Rückgrat der deutschen Wirtschaft: dem Mittelstand. Da Magento mit Magento Commerce und seiner speziellen Fassung Magento B2B Edition eine sehr gute Technologie für B2B und mittelständische Unternehmen am Start hat (z.B. wurde es von Forrester als „B2B Leader“ ausgezeichnet), wird Adobe davon deutlich profitieren.

Was ist mit Shopware, Spryker & Co.?

Der Shoptech- bzw. CommerceTech-Markt ist schon immer in Bewegung gewesen. Durch den Adobe-Magento-Deal kommt erneut ordentlich Schwung rein. Auf der einen Seite wächst der Markt mit Enterprise-Lösungen wie Magento, SAP Hybris oder Salesforce/Demandware. Mit dem Wachstum steigt auch der Konkurrenzkampf. Der wird sicherlich durch M&A-Aktivitäten von Microsoft und Co. angefeuert. Auf der anderen Seite gibt es Anbieter wie Shopify, Jimdo, SUPR oder WooCommerce, die kleine Unternehmen und Start-ups adressieren. Dazwischen existiert ebenfalls ein Markt, dieser wird in nächster Zeit von unten und oben zunehmend unter Druck geraten. Es bleibt somit spannend, wohin sich Shopware, Spryker und dergleichen entwickeln. Im schlimmsten Fall geraten sie derart in die Mangel, dass sie vom Markt verschwinden.

Fazit

Dieser Deal ist eine echte Win-Win-Situation, von dem Adobe und Magento gleichermaßen profitieren. Es entsteht ein neuer Big Player auf dem ShopTech-Spielfeld. Der wird sich sicherlich nicht auf das Geschäft mit kleinen Unternehmen konzentrieren, sondern in der Championsleague der Enterprise-Software weiter mitspielen und gewinnen wollen.
Eine derartige Ausrichtung ist nachvollziehbar. Der B2B-Markt wächst steil an, zudem müssen mittelständische und große Unternehmen für die Digitalisierung gerüstet sein. Sie benötigen eine Software-Lösung, um Voice Commerce, KI, Augmented oder Virtual Reality, Big Date, IoT und andere Zukunftstechnologien anbinden und nutzen zu können. Magento (mit Adobe im Rücken) bietet hierfür die besten Voraussetzungen.

Tim Hahn

Tim Hahn ist Mitgründer und einer der Geschäftsführer der E-Commerce-Agentur netz98 new media GmbH. Er verantwortet Sales sowie Marketing und kann auf mehr als 15 Jahre Erfahrungen aus E-Commerce- und B2B-E-Commerce-Projekten verweisen. Seine Fachgebiete sind strategische E-Commerce-Beratung, Realisierung von Magento-Shopsystemen sowie Market-Strategien und Qualitätssicherung.

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