Die Anforderungen der Verbraucher an Schnelligkeit und Flexibilität im Online-Handel steigen rasant. Dies gilt insbesondere für die Bestellung und Lieferung von Lebensmitteln. Diesem Trend folgend hat sich ein neues, boomendes Business entwickelt – Quick Commerce. Um in diesem Marktsegment erfolgreich zu agieren, benötigen Anbieter eine solide IT-Basis für das Management von Produktinformationen.

Quick Commerce: so schnell wie eine Essenslieferung soll auch der Lebensmitteleinkauf funktionieren.

Quick Commerce: so schnell wie eine Essenslieferung soll auch der Lebensmitteleinkauf funktionieren. (© Luca Campioni on Unsplash)

Die Idee des Quick Commerce folgt dem Beispiel von online-basierten Essens-Lieferdiensten. Seit etwa fünf Jahren haben sich in diesem Segment einige bedeutende Player am Markt etabliert. Dazu zählen etwa das britische Unternehmen Deliveroo, der amerikanische Lieferdienst Uber Eats oder das deutsch-niederländische Start-up Lieferando. Das Erfolgsrezept dabei: Über eine mobile App können Nutzer fertig zubereitete Mahlzeiten bestellen und bekommen diese in Rekordzeit geliefert. Die wachsende Beliebtheit dieser Dienstleistung zahlt sich für die Anbieter aus: Die Branche verzeichnet laut McKinsey derzeit einen Marktwert von mehr als 150 Milliarden Dollar.

Ein Konzept, das bei der Essenslieferung so gut funktioniert, sollte auch bei der Online-Bestellung von Lebensmitteln erfolgversprechend sein – dieses Credo haben sich wohl die Initiatoren und ersten Anbieter von Quick-Commerce-Services verinnerlicht. Wie bei der Essensbestellung können User auch hier über eine mobile App auf dem Handy bequem Lebensmittel ordern und erhalten diese in Windeseile. Durch die Kombination von automatisierten Prozessen mit schnell agierendem Personal in den Warenlagern, Supermärkten und bei den Bringdiensten soll eine Lieferung der Einkäufe in weniger als 30 Minuten möglich sein. Fest etabliert ist das Modell bereits in einigen osteuropäischen Ländern sowie in China. Dort zählt der Expressversand von Einkäufen bereits fest zum Alltag der Verbraucher.

Die steigende Akzeptanz von Quick-Commerce-Angeboten spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Studie des Bitkom zu den E-Commerce-Trends 2021 wider: Demnach haben 17 Prozent der 16- bis 29-Jährigen einen solchen Service schon einmal genutzt. 51 Prozent der Befragten in dieser Altersgruppe können sich vorstellen, in naher Zukunft bei einem Express-Lieferdienst zu bestellen. Knapp zwei Drittel aller befragten Internet-Nutzer sind der Ansicht, dass Quick-Commerce-Angebote das allgemeine Einkaufsverhalten von Verbrauchern nachhaltig verändern werden. 46 Prozent sehen darin eine ernsthafte Konkurrenz für den konventionellen Lebensmittelhandel. Acht von zehn Befragten finden entsprechende Services bequem und 73 Prozent gaben an, dadurch Zeit einsparen zu können.

Start-ups preschen vor – Einzelhandelskonzerne ziehen nach

Dabei rollen vor allem findige Start-ups den internationalen Markt von hinten auf. Daher ist den großen Lebensmitteleinzelhändlern nur zu empfehlen, hier nachzuziehen und vergleichbare Services anzubieten. Genau das macht die niederländische Warenhauskette Hema und investiert große Summen in das Konzept. So möchte der Konzern bis 2022 2.000 Supermärkte mit angeschlossenem Quick Commerce betreiben und bis 2030 in 200 Städten präsent sein.

Und auch in Frankreich ist das Modell des Expresslieferdienstes auf dem Vormarsch: So verspricht beispielsweise die nordfranzösische Supermarktkette Auchan im Rahmen eines Pilotversuches Lieferungen innerhalb von 15 Minuten dank Einbindung eines „Dark Store“. Etwas länger benötigt Carrefour: Innerhalb von drei Stunden liefert der Handelskonzern über die App „OK market!“ in Paris und Lyon – und zwar sein gesamtes Sortiment mit rund 20.000 Artikeln. Zu den führenden französischen Expresslieferdiensten für Lebensmittel zählt auch das Start-up Cajoo, das erst kürzlich Carrefour als Hauptinvestor mit ins Boot holte.

Produktdatenmanagement beflügelt Quick Commerce

Dabei hat Cajoo erkannt, welch enorm wichtige Rolle das IT-gestützte Management von Produktinformationen beim Quick Commerce spielt. So nutzt das Unternehmen die Commerce-Experience–Management-Plattform von Salsify und hat darin innerhalb weniger Wochen umfassende Informationen über rund 2.000 Produkte gesammelt. Durch eine zuverlässige, ständig aktualisierte und vollautomatisierte Produktdatenübermittlung unterstützt die Lösung Cajoo in seinem schnellen Wachstumskurs. Ziel des Start-ups ist es, seinen Kunden Einkäufe innerhalb von 15 Minuten nach Hause zu liefern – und zwar mit einer breiten Palette von Zeitfenstern und zu den gleichen Preisen wie die lokalen Supermärkte.

Die hohe Bedeutung gut gepflegter Produktinformationen bestätigt auch die Studie „Inside the Mind of an Online Shopper“ des schwedischen Anbieters für Product-Information-Management-Lösungen Inriver. Demnach spielt für die große Mehrheit der Konsumenten die Qualität der Produktbeschreibung eine tragende Rolle bei der Kaufentscheidung. So haben sich vier von fünf Befragten wegen mangelhafter Informationen schon einmal gegen den Kauf eines bestimmten Produkts entschlossen. Und 30 Prozent der Verbraucher erleben sogar Frustration, wenn sie mit unzureichenden Produktinformationen konfrontiert sind. Wie die Ergebnisse zeigen, sollten also Quick-Commerce-Anbieter ebenso wie klassische Online-Einzelhändler ihre produktrelevanten Inhalte auf ein hohes Niveau bringen.

Eines ist sicher: Das Modell des Quick Commerce wird seinen gerade erst begonnenen Siegeszug mit hohem Tempo fortsetzen. Die Player am Retail-Markt – ob Start-ups oder Handelsriesen – entscheiden dabei selbst, in welchem Maße sie durch die richtigen Investitionen und Service-Angebote von den hohen Rendite-Chancen des Quick-Commerce-Marktes profitieren.