P2P-Lending - Durch den Wegfall des traditionellen Finanzintermediärs Bank profitieren beide Seiten

P2P-Lending ~ Durch den Wegfall des traditionellen Finanzintermediärs Bank profitieren beide Seiten (© martaposemuckel – pixabay.com)

Kreditvergabe ist eigentlich ein klassisches Geschäftsfeld von Banken und eine wesentliche Säule ihres Geschäftsmodells. Doch wie auch in anderen Branchen wird dieses geschäftliche „Erfolgsrezept“ durch internetbasierte Konkurrenzangebote zunehmend in Frage gestellt. Vor allem für Kundengruppen wie Kleinunternehmer und Selbständige, die bisher Probleme hatten, einen Kredit von ihrer Bank zu günstigen Konditionen zu erhalten, bieten sie eine interessante Finanzierungsalternative.

Das „Zauberwort“ heißt Peer-to-Peer-Lending – auch Crowdlending oder kurz P2P-Kredit: die Kreditvergabe von privat an privat via entsprechender Internet-Plattformen. Die Funktionsweise ist einfach. Eine Internet-Plattform fungiert als „virtueller Marktplatz“, auf dem potentielle Kreditnehmer ihren Kreditbedarf für ein bestimmtes Vorhaben vorstellen. Die Nutzer haben dann die Chance, sich mit einem Betrag finanzierungsmäßig zu beteiligen. Wenn genug Geld gesammelt ist, kann die Finanzierung realisiert werden. Die Plattform ist dabei nicht nur Marktplatz, sondern auch Abwickler des Kreditverhältnisses – ggf. unter Einschaltung einer Bank.

Warum P2P-Lending effizient ist

Das P2P-Lending ist ein gutes Beispiel dafür, wie digitale Geschäftsprozesse zu mehr Effizienz führen können. Durch den Wegfall des traditionellen Finanzintermediärs Bank profitieren beide Seiten: Der Kreditnehmer erhält Kreditzugang zu Konditionen, die bei einem Bankkredit nicht möglich wären. Kreditgeber können mit ihrem Geld eine überdurchschnittliche Rendite erzielen, gehen dabei allerdings auch selbst ins Risiko. Dieses lässt sich jedoch durch Streuung reduzieren. Für Kleinunternehmer und Selbständige ist diese Form der Finanzierung vor allem deshalb interessant, weil Kredite auf herkömmlichem Weg wegen der unsicheren Einnahmen und hoher Anforderungen an die Sicherheiten nur schwer erhältlich sind. Das P2P-Lending bietet deutlich mehr Flexibilität.

Vom Crowdfunding zum Crowdlending

Das Crowdlending wird zunehmend relevanter und ist ursprünglich aus dem Crowdfunding entstanden. Dabei ging es um die mehr ideelle Finanzierung von Projekten, z.B. Filmen oder Musikalben, über Internet-Plattformen. Die erste Plattform dafür war ArtistShare, die 2003 in Großbritannien startete. Bereits 2005 folgte ebenfalls in Großbritannien mit Zopa die erste Kreditplattform. Bis heute sind die größten Kreditplattformen im angelsächsischen Raum zu finden.

In Deutschland war der nicht mehr existierende Anbieter eLolly 2007 der Pionier bei P2P-Krediten. Noch im gleichen Jahr erschien ein weiterer Vertreter auf der Bildfläche. Fortan an war es nun auch möglich über Peer-to-Peer-Vergabe Kredite von smava zu bekommen. Zusammen mit auxmoney ist smava heute einer der bedeutendsten „Player“ am Markt. Auxmoney gibt es fast genauso lang und ist bisher dem ursprünglichen Geschäftsmodell treu geblieben. Bei smava hat hingegen eine Erweiterung des anfänglichen Konzeptes hin zur Kreditvermittlung stattgefunden. Beide Anbieter haben inzwischen Nachahmer gefunden: lendico, crosslend, Funding Circle (vormals Zencap) und Giromatch folgen ebenfalls dem P2P-Modell. Im Vergleich zum klassischen Kreditgeschäft besetzen die Plattformen nach wie vor eine Nische. Das realisierte Kreditvolumen aller Plattformen erreichte 2016 163 Mio. Euro, wächst aber dynamisch. Bis 2021 wird mit einem Transaktionsvolumen von mehr als vier Mrd. Euro gerechnet.

Erweiterungen des ursprünglichen P2P-Geschäftsmodells

Erweiterungen des Geschäftsmodells werden bereits umgesetzt. So gibt es bereits Plattformen, die sich auf Peer-to-Business-Finanzierungen spezialisiert haben (z.B. kapilendo) und „echte“ Unternehmenskredite bieten, oder virtuelle Crowdinvesting-Marktplätze für reale Beteiligungen an Unternehmen oder Projekten (z.B. companisto, exporo).