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Zehn Trends, die Digitalpioniere für die Goldenen 20er auf dem Radar haben sollten

Frank Zimmermann an 5. Dezember 2019 - 17:51 in e-Commerce Studien & Fachartikel
André Roitzsch ist Digitalpionier und CEO der eCommerce-Agentur SHOPMACHER

André Roitzsch ist Digitalpionier und CEO der eCommerce-Agentur SHOPMACHER

Von André Roitzsch ~ Mit Ikonen wie Josefine Baker und vielen anderen Kultfiguren galten und gelten die 1920er Jahre im historischen und auch etwas nostalgischen Rückblick als Dekade der Verführung. Auch nach 100 Jahren sind sie als die “Goldenen 20er” in Erinnerung und erleben derzeit eine Renaissance. TV-Produktionen wie Babylon Berlin werden zum Straßenfeger, die Sehnsucht nach der freizügigen Verführung scheint groß. Nun stehen auch kalendarisch die nächsten vielleicht goldenen 20er vor der Tür. Was heißt das eigentlich für Digitalpioniere? Hier kommen zehn Trends.

Kommt im Handel erneut eine Dekade der Verführung?

Unabhängig von Kalenderblättern werden beschleunigte technologische Entwicklungen weiter ohne Unterlass den Markt bewegen. Und wer hier bestehen will, muss eine entsprechend anpassungsfähige Kultur entwickeln. So hängen die Dinge aus den Blickwinkeln der Technologie, den Marktanforderungen und der Commerce-Kultur zusammen:

//TECHNOLOGIE

Crossdevice Commerce

Mobile first? Mobile only? Watch Commerce? Voice Commerce? Das ist – mit Verlaub – alles  Bullshit! Wer Customer Experience noch auf ein bestimmtes Device bezogen denkt, der denkt analog, auch wenn es zufällig ein digitales Gerät ist, auf dem gekauft werden soll. Gibt es in zehn Jahren noch Onlineshops? Oder kaufen wir alle nur noch per Alexa? Das ist eigentlich völlig egal – wir werden Lösungen für Kunden entwickeln, nicht Lösungen für Geräte.

Rise of Headless

Die Anforderungen wettbewerbsfähiger Händler müssen sich in immer kürzeren Intervallen ändern. Wir wissen nicht, was wir in drei Jahren brauchen, was dann möglich ist, und was dann helfen könnte, Kunden zu überzeugen. Wir alle brauchen Technologie, die sich wie eine Flüssigkeit in völlig unterschiedliche Formen gießen lässt. Technologie muss ermöglichen, nicht limitieren. Monolithische Shop-Software, die installiert und individualisiert wird, kann diese Anforderung qua Definition nicht erfüllen. API-basierte Systeme werden den Markt in zehn Jahren vollständig dominieren. Das gilt für das Front- wie für das Backend. Wir werden keine Software mehr verwenden, wir werden Microservices vernetzen.

IoT Commerce

OK, das habt Ihr alle schon gelesen. Ist ja auch wahr! Maschinen werden bei Maschinen kaufen. Maschinen werden zu Kunden. Wenn eine Waschmaschine ihr Pulver selbst bestellt, ergeben sich daraus ganz neue Möglichkeiten der Kundengewinnung und Kundenbindung.

//MARKT

Everywhere Commerce

Innenstadt ist überall und Online-Shop ist auch überall. Einkaufen ist überall. Und jederzeit. Das ist möglich. Deswegen wird es auch genutzt. Und alles andere eben nicht mehr. Wer nicht überall ist, wird nicht mehr genutzt. Aber zum Glück gibt es Technologie, die das ermöglicht – siehe oben.

Triple AAA

Activate – Attract – Achieve – natürlich wird es weiter Spezialisten geben, die besonders gut darin sind, bestimmte Herausforderungen der digitalen Welt zu bewältigen. Spezialisierung wird sogar noch zunehmen. Zugleich wird es aber nicht mehr ausreichen, nur noch den eigenen Tellerrand im Blick zu behalten. Im Commerce müssen Kunden zunächst auf eine Plattform gezogen werden (Activate), sie müssen dort gebunden werden (Attract) und sie sollen konvertieren (Achieve). Ich kann mich auf eine dieser Aufgaben spezialisieren – und doch werde ich nur erfolgreich sein, wenn ich dafür sorge, dass auch die anderen beiden exzellent gelöst werden. “Triple AAA” steht für die zunehmende Tendenz, dass digitales Business immer nur im großen Zusammenhang betrachtet erfolgreich sein kann.

Bye-bye Online-Shop

Das weiß jeder: Die Erfolgsaussichten neuer Online-Schuhhändler sind heute etwa so groß wie die eines Sonnenstudios auf Mallorca – sofern sie keine spannende Nische besetzen. Und das gilt natürlich auch für viele andere Branchen. Aber es geht noch weiter: Konsolidierung ist unausweichlich und allgegenwärtig; die Goldgräberzeiten sind vorbei. Für Online-Shops. Aber nicht für unzählige Spielarten von digital abgewickelten Transaktionen. Der Handel an sich wandert direkt und vollständig in die Cloud, Online-Shop oder stationäres Geschäft werden einfach nur verschiedene Arten von Showrooms sein, über die Kunden auf Waren zugreifen und Käufe abwickeln können. Es gilt nicht in erster Linie Online-Shops zu verbessern, es gilt, Wettbewerbschancen zu verbessern durch den nächsten unfassbar praktischen digitalen Service.

Impulsaption

Echte Innovation als Ergebnis von F&E im Commerce ist aufwändig und teuer. Die Mittel dafür haben eigentlich nur die großen Player. Und mit dem weit verbreiteten Prinzip “Copy Amazon” hinkt der Mittelstand den Marktführern immer einen Schritt hinterher. Hier wird sich das Prinzip der Impulsaption durchsetzen. Es beschreibt die Adaption bereits in fremden Spezialbranchen erfolgreich eingeführter Ideen für die eigene Branche. Das Prinzip ist einfach, der praktische Nutzen liegt auf der Hand: Ich verschaffe mir in meiner Branche einen Wettbewerbsvorteil, indem ich als Erster eine “Innovation” einführe, die sich in anderen Branchen bereits bewährt hat. Risiko und Aufwand für Innovation bleiben auf diese Weise gering, – der Nutzen unverändert hoch. Wer so agiert, wird in seinem Segment die Nase vorn haben.

Frank Zimmermann

Frank Zimmermann ist Inhaber der im Mai 2003 von ihm gegründeten Kommunikations- und Public Relations-Beratung FCZ PR. Er studierte Politikwissenschaft, englische Literatur und Soziologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

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