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Mittelständler sollten ihre digitale Zukunft in die Hand nehmen

Kommentar von Dr. René Mauer, Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation der ESCP Europe Berlin, zum aktuellen EFI - Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Redaktion an 26. Februar 2016 - 10:22 in e-Commerce Studien & Fachartikel
Dr. René Mauer

Dr. René Mauer ~ ESCP Europe Berlin

Wenn Dr. René Mauer morgens zum Berliner Standort der ESCP Europe von Mitte nach Charlottenburg fährt, dann hat er ein gutes Gefühl mit Blick auf Deutschlands Zukunft. Denn in Berlin bewegt er sich in einer Art Silicon Valley Europas: Mehr als 2.500 Startups gibt es hier. Viele weitere Unternehmen tummeln sich als IT-Technologiepartner oder Dienstleister in dieser Wachstumsbranche. Für ihn hat Berlin daher reichlich Zukunft.

Für die in Deutschland traditionell starken Produktions-, Handels- oder Dienstleistungsstandorte wie Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg soll die Situation aber anders aussehen. Der Grund wird im neuen „Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands“ einer von der Bundesregierung einberufenen Expertenkommission (EFI) beschrieben. Vordergründig bescheinigt das Gutachten, dass kleine und mittelständische Unternehmen, auch im Vergleich zum Ausland, noch immer viel zu wenig Geld in Innovationen und Digitalisierungstechnologien investieren.

„Die Statistiken lassen sich diskutieren. Wirklich interessant und hilfreich ist das Gutachten, wenn es in die Details geht. Ich kann nur jedem Mittelständler die Lektüre empfehlen, um den eigenen Status und die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten im Marktvergleich beurteilen zu können“ resümiert Dr. René Mauer, Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation der ESCP Europe Berlin.

Die noch vor wenigen Jahren befürchtete digitale Spaltung der Bevölkerung treffe nun viel mehr auf die Wirtschaft zu. Denn bei vielen Dax-Konzernen fließe durchaus viel Geld in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle.

„Es geht überhaupt nicht darum, dass jeder Maschinenbauer im Bergischen Land ab sofort einen Geschäftsbereich eröffnet, in dem Apple nachgeahmt wird. Sehr wohl sollten viele Unternehmen aber rasch ein tieferes Verständnis für digitale Prozesse und Geschäftsmodelle entwickeln. Das Problem ist: Noch weiß keiner wirklich, was das genau bedeutet. Eine wichtige Erkenntnis ist hier jedoch, dass Digitalisierung bei Weitem nicht nur für digitale Produkte eine Rolle spielt. Das Gutachten gibt hier hilfreiche Hinweise, wie auch der besagte Maschinenbauer die Digitalisierung konkret auf Potenziale für neue Geschäftsmodelle abklopfen kann.“

Was Unternehmer jetzt bräuchten, sei 1. Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten, 2. der Erwerb eigener Kompetenz in der Entwicklung digitaler Strategien, ihrer Auswirkungen und Chancen – wie erstmals im neuen, berufsbegleitenden Master-Programm „Digital Innovation and Entrepreneurial Leadership“ der ESCP Europe möglich und 3. staatliche Unterstützung in Form von adäquater digitaler Infrastruktur oder entsprechender Investitionsanreize.

„Immer wieder liefern erfolgreiche Startups den Beweis“, so Mauers Beobachtung, „dass mit disruptiven Ideen die Kleinen die Großen schlagen könnten. Wer sich also im Mittelstand etwas traut, der wird mit guten Chancen belohnt. Wer nicht, verpasst die Zukunft und riskiert es, verdrängt zu werden, Margen zu verlieren oder verkaufen zu müssen.“

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