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Haben Kryptowährungen eine Zukunft im B2B-E-Commerce?

Alexander Shashin an 17. Juli 2018 - 14:16 in e-Commerce Studien & Fachartikel
Alexander Shashin

Alexander Shashin ~ Oro, Inc.

Ob Bitcoin, Litecoin, Ethereum oder Ripple – Kryptowährungen sind zurzeit in aller Munde. Doch trotz des Hypes setzen sich noch immer viele B2B-Händler nicht mit den digitalen Währungen auseinander. Da inzwischen immer mehr B2C-Geschäfte Kryptowährungen akzeptieren, liegt das Potential für B2B auch nahe. Wer das System der Kryptowährungen auf sein Geschäft anwenden möchten, muss zunächst sein Grundverständnis von Währungen ändern.

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind eine rein digitale Form von Zahlungsabwicklungen, die zwischen Rechnern (peer-to-peer) abgewickelt werden und die dazu keine physische Währung wie Euro oder US-Dollar benötigen. Im Gegensatz zu den beiden Letztgenannten existieren Kryptowährungen allein in digitaler Form und besitzen auch keinen realen Wert wie Gold oder Silber. Die Zirkulation der digitalen Währungen kann zudem durch keine Finanzinstitution, Zentralbank oder Regierung kontrolliert oder manipuliert werden, denn es gibt für die jeweiligen Kryptowährungen keine übergeordnete Instanz, die dafür verantwortlich oder dazu in der Lage wäre.

Wodurch unterscheiden sich Kryptowährungen?

Traditionelle Zahlungen mit offiziellen Währungen können per Überweisung, bar, per Kreditkarte oder auf anderem Wege erfolgen. Diese Transaktionswege folgen staatlich regulierten Pfaden und werden mit dem Einsatz von Zwischenhändlern wie Banken oder Kreditkartenunternehmen vollzogen. Hierbei besteht stets die Gefahr des Missbrauchs und Betrugs. Transfers, die mittels Kryptowährungen durchgeführt werden, laufen hingegen vollkommen anders ab. Durch den Einsatz der Blockchain-Technologie werden sie ohne jeglichen Einfluss von Banken oder anderen Finanzinstitutionen durchgeführt. Die Kryptowährung wechselt den Besitzer durch direkte Peer-to-Peer-Transaktionen, die mit einem Algorithmus ausgeführt und verifiziert werden, der im Netzwerk verteilt ist. Dies geschieht im Bruchteil einer Sekunde, was den Transfer sehr viel schneller vollzieht als dies bei herkömmlichen Methoden der Fall ist. Zudem ist der gesamte Zahlungsprozess sehr viel sicherer, und die Transaktionen benötigen keine weiteren Zwischenhändler, was die Kosten stark senkt.

Die meisten B2B-Zahlungen laufen noch immer mittels Überweisungen, Schecks und anderen Techniken, die allesamt langsam, kostenintensiv und betrugsanfällig sind, sowie darüber hinaus zusätzliche Instanzen zwischen Käufer und Verkäufer stellen. Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie schalten sämtliche dieser Problemfelder aus. Und das bei der absoluten Sicherheit dieses Zahlungsweges.

Kryptowährungen werden Mainstream

Was ursprünglich lediglich Nerds und Computerfreaks geläufig war, wird immer mehr zum Mainstream. Bitcoin, Ethereum und die anderen digitalen Währungen werden inzwischen an mehr Orten akzeptiert, als man denkt. Auch das ist ein Grund dafür, dass Kryptowährungen das Potential haben, zum Zahlungsmittel der Zukunft im E-Commerce zu werden. Innovative Unternehmen beginnen bereits jetzt, auf diese Technologie zu setzen.

Schon 2016 gaben 33% der Befragten einer europäischen Studie an, dass sie Kryptowährungen als die Zukunft von Onlinezahlungen ansehen. Firmen wie Microsoft akzeptieren Zahlungen in Bitcoin. Subway akzeptiert Bitcoin für den Kauf seiner Essensangebote und auch Expedia lässt sich dort gebuchte Reisen mit Bitcoin bezahlen. PayPal akzeptiert ebenso bereits Bitcoin und überlegt, Ethereum als weiteres Zahlungsmittel einzuführen. 57% der Finanzvorstände in Unternehmen nutzen oder planen die Integration von Blockchain bis Ende 2018.

Die Möglichkeit, Zahlungen weltweit, absolut sicher und unabhängig von offiziellen Währungen sowie ohne den Einfluss von Banken oder Regierungen abzuwickeln, macht Kryptowährungen zu einer äußerst interessanten Lösung. Auch in aufstrebenden Märkten und den Staaten der Dritten Welt. Es ist in der Tat kaum zu glauben, aber die Mehrzahl der globalen Bevölkerung nutzt keine Banken. Dies ist eine ideale Voraussetzung für Kryptowährungen, da es zur Abwicklung von Handelsgeschäften nichts außer einem Computer sowie einer Internetverbindung braucht. Und da Transaktionen mittels Kryptowährungen ohne die Zustimmung des Käufers nicht möglich sind, wird das Betrugsrisiko erheblich gesenkt – ein riesiger Vorteil beim B2B-E-Commerce.

Risiken der Kryptowährungen

Sobald Sie die Funktionsweise von Kryptowährungen und Blockchain verstanden haben, sind die Vorteile offensichtlich. Allerdings sind auch Risiken mit der Nutzung der digitalen Währungen verbunden. Diese bestehen hauptsächlich in deren Volatilität, der Gefahr staatlicher Regulierung sowie dem Aufkommen anderer, konkurrierender Währungen. Und da die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, kann zurzeit niemand voraussagen, welche Kryptowährung sich letztendlich durchsetzen wird.

Volatilität

Der Wert von Kryptowährungen wie Bitcoin und anderen schwankt beträchtlich. Das liegt unter anderem an dem limitierten Angebot. Die Entwickler der ursprünglichen Blockchain-Technologie begrenzten die Gesamtmenge von Bitcoin auf 21 Millionen BTC. Im Vergleich dazu können Regierungen die Geldausgabe ihrer Währung steuern und auf diese Weise Inflationen, Beschäftigung oder das Investitionsklima beeinflussen. Für derartige Manipulationen sind Bitcoin und Co. absolut unempfänglich, was das Kryptogeld zu einem idealen Hafen für Kapital macht, welches aus dem Kreis der regulierten offiziellen Währungen ausbrechen möchte. Diese Kapitalzu- und -abflüsse beeinflussen wiederum den Wert der Bitcoin massiv. Deshalb kann es innerhalb von Minuten oder nur Sekunden zu starken Kursschwankungen kommen. Als zum Beispiel entdeckt wurde, dass Bitcoin die Währung der Wahl für illegale Drogendeals auf der inzwischen stillgelegten Silk Road-Handelsplattform waren, brach der Wert der Digitalwährung regelrecht ein.

Staatliche Regulierung

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko stellt die Tatsache dar, dass Kryptowährungen nur einen regulativen Schritt von der Illegalität entfernt sind. Bitcoin, Ethereum und andere digitale Währungen existieren nur so lange, wie Regierungen sie nicht verbieten. Bisher haben staatliche Stellen Kryptowährungen gegenüber zum größten Teil eine abwartende Haltung eingenommen und kein Staat schätzt dieses Geld als Ersatz für die eigene Währung ein. So werden Bitcoin in den USA nicht als Währung, sondern als ein finanzielles Dienstleistungsgeschäft gesehen, welches als normales Vermögen – wie etwa Grundbesitz – bewertet wird. Kanada sieht Kryptowährungen als Handelswaren und daraus resultierende Transaktionen werden zu Tauschgeschäften erklärt, wohingegen die Staaten der EU bisher noch überhaupt keine Entscheidung über die Bewertung der digitalen Währungen getroffen haben. Doch diese zurückhaltende Haltung muss nicht so bleiben. Russland, Vietnam, Ecuador, Bolivien und einige andere Staaten haben Kryptozahlungen bereits für illegal erklärt.

Konkurrierende Digitalwährungen

Inzwischen gibt es Hunderte an miteinander konkurrierenden Kryptowährungen. Und es werden immer mehr. Auch Staaten mischen mit. So hat beispielsweise die Regierung von Island eine eigene Digitalwährung eingeführt – und gleichzeitig alle anderen Kryptowährungen ausgegrenzt. Angesichts der Popularität ist es sehr verwunderlich, dass der weltgrößte Onlinemarktplatz Amazon noch keine Kryptowährungen akzeptiert. Ein Grund für Amazons abwartende Haltung ist die geringe Kapazität von Kryptogeld wie Bitcoin, wo nur wenige Transaktionen je Sekunde abgewickelt werden können – viel zu wenig für Amazons gigantisches Handelsvolumen. Trotzdem könnte sich Amazon zur ernsthaften Konkurrenz für Bitcoin entwickeln, denn im Oktober 2017 sicherte sich das Unternehmen die Domains amazonethereum.com, amazoncryptocurrency.com und amazoncryptocurrencies.com. Schwer zu sagen, ob dies ein Anzeichen für eine zukünftige Expansion Amazons im Kryptobereich ist oder ob der Onlinehändler mit dem Schritt lediglich seine Marke schützen will. Sollte Ersteres der Fall sein, würde mit Amazon auf einen Schlag ein Schwergewicht die Branche betreten, welches für viele unbekanntere Kryptowährungen ein rasches Aus bedeuten könnte.

Kryptowährungen im B2B-E-Commerce

Es macht durchaus Sinn, bei Einführung einer neuen Technologie wie Kryptowährungen den B2C-E-Commerce vorangehen zu lassen. Allerdings sollten B2B-Händler die Entwicklung genau verfolgen und aus den Erfahrungen lernen. Sowohl die Blockchain-Technologie als auch Kryptowährungen sind es wert, genau betrachtet zu werden, denn es ist durchaus möglich, dass sie helfen, bestehende Risiken bei B2B-Transaktionen zu beseitigen. Wer weiß; wenn Sie diesen Trend weiter beobachten, kommen Sie vielleicht zu dem Schluss, dass das Risiko einer Integration von Kryptowährungen geringer ist, als in dieser Hinsicht untätig zu bleiben.

Alexander Shashin

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Alexander Shashin leitet als Country Manager bei Oro, Inc. die Marktentwicklung in der DACH-Region. Oro ist der international führende Softwarehersteller für innovative Open-Source B2B E-Commerce und CRM-Anwendungen mit Hauptsitz in Los Angeles. Zu den Kunden im deutschsprachigen Raum zählen Haneu, Testrut, Lockbox, die GVL und die MTH Retail Group (MäcGeiz, Pfennigpfeiffer). Alexander Shashin ist seit über 17 Jahren als Gründer, Manager und Berater im E-Commerce tätig.

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