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EHI untersucht den deutschen Möbelhandel (© Tooykrub – Shutterstock.com)

Im stationären Möbelhandel in Deutschland deuten sich die Grenzen des Wachstums an. Die Umsätze stagnieren seit mehr als zehn Jahren – und das bei fortschreitender Flächenexpansion. Der Gewinn von Marktanteilen durch den Onlinehandel, die in vielen Regionen zurückgehende Bevölkerung mit kleineren Haushalten und die Renaissance der Innenstädte als Wohn- und Shoppingorte haben gravierenden Einfluss auf die Möbelbranche. Mit profilierten Betriebstypen kann der Handel der Erosion der Flächenumsätze begegnen. So die Kernergebnisse der EHI-Untersuchung, die in dem Whitepaper „Die Grenzen des Wachstums“ zusammengefasst sind.

Demografischer Wandel, Urbanisierung und E-Commerce

Das Einkaufsverhalten der Konsumenten ändert sich. Immer mehr Kunden kaufen online ein. Der Umsatz mit Möbeln und Dekorationsartikeln im Internet entwickelt sich dynamisch – lag er 2011 noch bei 1,3 Milliarden Euro, stieg der Umsatz in 2013 auf 1,48 Milliarden Euro. In vielen Regionen Deutschlands sinkt die Zahl der Konsumenten durch Bevölkerungsrückgänge. Wachstumsraten verzeichnen nur die großen Städte sowie Landkreise im direkten Umland der urbanen Wachstumspole. Dabei werden die Haushalte deutlich kleiner. 2030 werden mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in 1- und 2-Personen-Haushalten leben, prognostiziert das statistische Bundesamt. Die Standorte des klassischen Möbeleinzelhandels in den Stadtrandlagen und auf der grünen Wiese passen immer weniger zur neuen Attraktivität der Großstädte als Wohnorte, in denen viele Menschen abseits klassischer Familienstrukturen und auch ohne eigenes Auto leben. Diese strukturellen Veränderungen der Konsumenten erfordern eine schärfere Profilierung der Betriebstypen im Möbelhandel. Dem Trend zur Urbanisierung folgt der große Möbelhandel noch sehr vereinzelt. Ein Beispiel ist der im Juni 2014 neu eröffnete Ikea Citystore in Hamburg-Altona mit einem auf die besonderen Ansprüche des städtischen Einkaufens abgestimmten Konzept.

Expansionstrend und Flächenproduktivität

Trotz der schwierigen demografischen Rahmenbedingungen und steigenden Onlineumsätze ist die Expansion der großen Flächen ein anhaltender Trend. In Deutschland gibt es laut „Möbelkultur“ aktuell 167 großflächige Möbelgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von mindestens 25.000 qm. Diese verfügen über eine gemeinsame Verkaufsfläche von insgesamt 5,9 Millionen qm. Eine weitere dynamische Expansion der Großflächen ab 25.000 qm ist geplant. So sind für die nächsten drei Jahre 19 Neueröffnungen in dieser Größenkategorie in der Pipeline, die zusammen eine Verkaufsfläche von ca. 720.200 qm aufweisen werden. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der Top 30-Möbelhäuser stieg von ca. 35.000 qm in 1995 auf ca. 51.000 qm im Jahr 2013. Das Expansionsverhalten und die größeren Flächen der Möbelhändler sowie die stagnierenden Umsätze werden aber zu einer Belastung der Flächenproduktivität führen. Dennoch sind die Flächenproduktivitäten bei einzelnen Händlern deutlich höher als bisher angenommen. Je nach Quelle liegen die Maximalwerte zwischen 2.150 Euro/qm und 2.380 Euro/qm. Die Berechnungen des EHI zeigen sogar bei einigen Möbeleinzelhändlern Flächenproduktivitäten von über 3.000 Euro/qm. Es gibt aber auch Beispiele, bei denen kann die Flächenproduktivität auch mal unter 1.000 Euro/qm liegen. Die Schere geht also immer weiter auseinander. Weiteres Flächenwachstum wird den Druck auf die erfolgsentscheidende Kennzahl Flächenproduktivität noch weiter verschärfen. Besonders die klassischen Möbeleinzelhändler mit Vollsortiment sind gefordert, die Besonderheit ihres Konzepts klarer hervorzuheben.

Die gesamten Ergebnisse der Untersuchung sind im EHI-Whitepaper „Die Grenzen des Wachstums“ zusammengefasst und enthalten Kennzahlen wie Flächenproduktivität, Verkaufsstellen sowie ein Ranking der Top 85-Möbelhändler nach Umsatz.