PoS - 2021 war ein hartes Jahr für den Einzelhandel (© iStock, lizenziert für Manhattan Associates)

2021 war ein hartes Jahr für den Einzelhandel (© iStock, lizenziert für Manhattan Associates)

2021 war ein weiteres besonders hartes Jahr für alle Unternehmen, nicht zuletzt für den Einzelhandel. Die positive Stimmung, die sich mit der Hoffnung auf weltweite Massenimpfungen im Jahr 2021 verband, wich allmählich der kollektiven Erkenntnis, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist. Und auch nicht ihre Auswirkungen auf die globalen Lieferketten in Bezug auf Personal, Beschaffung und Warentransport.

Angesichts der Ereignisse der vergangenen zwei Jahre sind nur wenige Branchenexperten bereit, einen Ausblick auf das Jahr 2022 zu wagen – oder gar Aussagen darüber zu machen, wie der Rest des Jahrzehnts aus Sicht des Einzelhandels oder der Lieferketten aussehen könnte. Dennoch ist es möglich, auf drei wichtige Megatrends zu blicken:

Agilität und Vorhersagbarkeit

Angesichts der aktuellen Lieferengpässe, die sich auch auf die Hochsaison auswirkt, sowie der anhaltenden Herausforderungen durch die Pandemie und die sich immer schneller verändernden Verbrauchererwartungen ist die Notwendigkeit für Unternehmen, auf allen Ebenen flexibel zu sein, sehr wichtig.

Diese Flexibilität und Skalierbarkeit wird durch Technologien wie Cloud und Microservices ermöglicht. Glücklicherweise bedeutet die zunehmende Digitalisierung der Lieferketten, dass mehr Daten als je zuvor produziert werden – zur Nutzung für Vorhersagetools wie digitale Zwillinge, und um Szenarien zu modellieren und abzubilden. Diese Art von datengestützten präventiven Modellierungstools wird im Jahr 2022 stärker in den Vordergrund rücken. Die Klärung von Fragen zur IT-Architektur eines Unternehmens ist damit nicht mehr nur eine Aufgabe für CIOs, sondern hat jetzt auch für COOs und CEOs Priorität.

Kundenerlebnis

Viele Branchenbeobachter hatten schon das Ende der Einkaufsstraßen und des stationären Einzelhandels vorausgesagt. Die Nachricht, Amazon plane, in Nordamerika Kaufhäuser zu eröffnen, nehmen viele (große und kleine) Einzelhändler als willkommenen Grund um zu hoffen, doch an traditionellen Geschäftsmodellen festhalten zu können. Aber: Gerade jetzt kommt es darauf an, sich an die modernen Kundenerwartungen anzupassen und Prioritäten zu setzen.

Um diese nächste Phase der Amazon-Evolution zu überleben, müssen Einzelhändler ihre Systeme und Prozesse auf einen neuen Markt vorbereiten, der von den Marken dominiert wird, die in der Lage sind, nahtlose, personalisierte Einkaufserlebnisse über physische und digitale Kanäle zu bieten. Daher ist der Aufbau der richtigen technologischen Infrastruktur wichtig, die von Omnichannel- und modernen, vernetzten Point-of-Sale-Systemen bis hin zu Auftragsmanagement- und Lagerlösungen reicht und so den Marken die nötige Flexibilität, Agilität und Skalierbarkeit verleiht.

Neben der fortgesetzten Betonung von Omnichannel ist auch zu erwarten dass der Trend, die Lieferkette und die Waren näher an den Verbraucher zu bringen, im Jahr 2022 stark an Fahrt gewinnen wird. Die Vorteile von Mikro-Fulfillment-Zentren und „Dark Stores“ (schnellere Kundenabwicklung, weniger Kilometer für Lieferflotten, geringere CO2-Emissionen, schnellere und effizientere Retourenprozesse usw.) haben sich während der Pandemie weitgehend bestätigt. Je näher die Lieferkette an den Verbraucher heranrückt, desto mehr wird sich das Kundenerlebnis ändern und verbessern.

Arbeitskräfte finden und halten

Ganz gleich, ob es sich um gewerbliche Mitarbeiter im Paketdepot oder Lkw-Fahrer handelt – die derzeitige Krise, die durch einen Mangel an Mitarbeitern entlang der Lieferkette verursacht wird, ist für alle deutlich sichtbar und präsent.

Zwar sind Antrittsprämien und höhere Stundenlöhne sicherlich willkommen (und für viele überfällig), aber die Personalknappheit, die wir derzeit erleben, lässt sich nicht mit Geld allein beheben. Die Pandemie hat das Bewusstsein für das Wohlbefinden der Mitarbeiter vielerorts erhöht, und es ist davon auszugehen, dass dieser verstärkte Fokus im neuen Jahr weiter an Fahrt gewinnen wird. Den Mitarbeitern entlang der Lieferkette und im Einzelhandel die intuitivste und am einfachsten zu bedienende Technologie für ihre Aufgaben zur Verfügung zu stellen, ist für Unternehmen nicht mehr nur ein „Nice-to-have“, sondern ein Muss. Und die Notwendigkeit, die Mitarbeiter einzubinden und zu befähigen, ist wichtiger denn je.

Warehouse (© iStock, lizenziert für Manhattan Associates)

Die Notwendigkeit, die Mitarbeiter einzubinden und zu befähigen, ist wichtiger denn je. (© iStock, lizenziert für Manhattan Associates)

In einer Zeit, in der sich Einzelhändler und ihre Lieferketten in einer Krise befinden, werden der Aufbau von Loyalität, die Befähigung der Mitarbeiter (in den Geschäften, Lagern oder bei den Lkw-Fahrern), die Sicherheit der Mitarbeiter und die Aufrechterhaltung der betrieblichen Effizienz durch Technologien, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht, im Jahr 2022 und weit darüber hinaus absolut vorrangig sein.

Stichworte sind hier unter anderem der Einsatz von Gamification zur Erhöhung von Teamgeist und Motivation, aber auch von sinnvoll eingebundener Voice Recognition: Durch sprachgeführte Arbeitsabläufe (im Idealfall in ihrer Muttersprache) haben Mitarbeiter ihre Hände und Augen frei, wodurch das Kommissionieren und Verpacken sicherer, effizienter und genauer wird – bei minimaler Einarbeitungszeit.