Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und Unternehmen auf der ganzen Welt zum Umdenken gezwungen. Eine spannende Frage lautet daher: Wie wird die Employee Experience (EX) dieses Jahr aussehen? Wie werden die Unternehmen das Arbeitsumfeld ihrer Mitarbeiter gestalten? Die Chancen und Herausforderungen des kommenden Jahres haben Experience-Management-Scientists und Employee-Experience-Experten folgendermaßen umrissen:

  1. Mehr Gemeinschaft in Zeiten des Homeoffice
    Ein Gefühl der Zugehörigkeit ist für Beschäftigte, die zu Hause arbeiten, eminent wichtig. Das gilt besonders für Angestellte, die alleine leben und stärker darauf angewiesen sind, in einen beruflichen Kontext eingebunden zu sein. Aus diesem Grund werden die Personalabteilungen dieses Jahr vermehrt Initiativen zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls starten.
    Die Lösung liegt aber nicht darin, die Arbeitsgewohnheiten aus den Zeiten vor Corona wiederaufzunehmen. Im Vordergrund steht stattdessen, wie man individuellen Arbeitsstilen, Persönlichkeiten und der Teamdynamik Rechnung tragen kann, um Produktivität, Zusammenarbeit, Unternehmenskultur, Innovation und Gemeinschaftssinn zu fördern. Diese Faktoren werden in den Blickpunkt rücken, wenn es um die Zuweisung von Angestellten zu virtuell arbeitenden Teams geht.
  2. Das Wohl der Mitarbeiter im Blick
    Initiativen zur Förderung des Mitarbeiterwohls werden zu einem wichtigen Bestandteil der Personalpolitik: um Talente zu gewinnen und zu binden, aber auch, um zu zeigen, dass dem Unternehmen die Sicherheit und Gesundheit ihrer Belegschaft am Herzen liegen.
    Körperliche und seelische Gesundheit, finanzielles und soziales Wohl, Zufriedenheit am Arbeitsplatz – all das trägt wesentlich zum Gesamtbefinden des Arbeitnehmers bei. Unternehmen, die sich im Rahmen eines ganzheitlichen Konzepts dem Wohlergehen ihrer Mitarbeiter verpflichten, werden mit einem hohen Return on Investment belohnt.
  3. Flexible Arbeitsmodelle werden häufiger
    2021 wird immer deutlicher, dass es nicht ausreicht, der kompletten Belegschaft ein und dasselbe Standardmodell anzubieten. Stattdessen werden die Unternehmen ihre Arbeitsmodelle und -prozesse zunehmend flexibel gestalten, um den individuellen Bedürfnissen ihrer Angestellten gerecht zu werden. Das heißt, sie werden weitaus mehr flexible Arbeitsmöglichkeiten anbieten als zuvor, beispielsweise eine kompakte 4-Tage-Woche oder ein Modell, bei dem der Angestellte abwechselnd im Büro und im Homeoffice ist. Auf diese Weise können sie sich ihr Pensum besser einteilen und trotzdem noch im direkten Kontakt mit ihren Teamkollegen arbeiten.
  4. Tägliches Feedback verändert die Employee Experience
    Während sich die Beschäftigten an manche Formen des täglichen Feedbacks (wie den Gesundheitscheck bei Ankunft im Büro) gewöhnen, kommen weitere Vorgaben und Herausforderungen auf die EX-Verantwortlichen zu. Hierbei geht es vor allem um Themen wie Datenschutz, Vertraulichkeit und Sorgfaltspflicht – und die Frage, wie man die Beschäftigten zusätzlich unterstützen kann. Beispielsweise, indem die Personaler häufiger direkt bei ihren Teams nachfragen, wie ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessert werden kann.
  5. Diversitäts- und Inklusionsstrategien nehmen an Fahrt auf
    Der Fokus auf Diversität, Chancengleichheit und Inklusion und auf die Unterstützung von Mitarbeitern aus unterrepräsentierten Gruppen wird sich 2021 kontinuierlich verstärken. Doch statt lediglich Ziele und Quoten festzulegen, werden sich die Unternehmen mit der Alltagsrealität unterrepräsentierter Gruppen beschäftigen, die Position des beauftragten Managers stärken und eine solide Strategie ausarbeiten müssen: in Richtlinien, bei Neueinstellungen, Vergütungskriterien, Diskussionen um Beförderungen und Leistungskalibrierungen, Nachfolgeplanungen und künftigen Personalprozessen zur Mitarbeiterförderung. Hierfür wird eine wachsende Zahl an Unternehmen die Prinzipien des Human Experience Management (HXM) – wie beispielsweise Job-Design und -Architektur – (wieder-) entdecken, um für mehr Diversität, Chancengleichheit und Inklusion zu sorgen. Auf diese Weise können sie ihre Mitarbeiter außerdem beim Erwerb von Fähigkeiten unterstützen, die für die künftige Arbeitswelt erforderlich sind.
  6. Weniger Collaboration-Tools für eine bessere Zusammenarbeit
    Um die interne Zusammenarbeit zu erleichtern, wird der Arbeitsalltag der Mitarbeiter „verschlankt“. Statt die Zahl der verwendeten Tools, Prozesse und Systeme ständig zu erhöhen, werden die Unternehmen ihre technische Employee Experience verbessern: mit weniger Systemen und Plattformen, die jedoch optimal genutzt werden.
  7. Agile Befragungsmethoden für erweiterten Aktionsradius
    Die Vorteile agiler Befragungsmethoden – nämlich die Möglichkeit, unter wechselnden Voraussetzungen prompt zu reagieren – sind mittlerweile bekannt. Aus diesem Grund werden 2021 mehr Unternehmen knappe, gezielte Umfragen in kürzeren Abständen durchführen und Daten zum gesamten Mitarbeiterlebenszyklus sammeln und miteinander verknüpfen – von der Bewerbung, dem Onboarding und dem Engagement bis hin zum Austritt. Einerseits eine riesige Chance, einen besseren, datenbasierten Überblick zu gewinnen und den Aktionsradius von EX-Experten zu vergrößern.
    Andererseits geht mit dem verstärkten Einsatz von Pulsumfragen und Feedbacksystemen nach dem „Always-on“-Prinzip auch eine höhere Fehlerquote einher. Häufig starten die Unternehmen Umfragen, ohne zuvor sorgfältig zu erwägen, was sie erfragen und wie sie die Ergebnisse prüfen und umsetzen wollen. Doch aus Fehlern lernt man: Irrtümer geben den EX-Profis Gelegenheit, ihre Umfragen weiterzuentwickeln.
  8. HR und IT schaffen gemeinsam eine bessere technische Experience
    Schon vor Corona befand sich die Arbeitswelt mitten im Digitalisierungsprozess. In den meisten Unternehmen wurde diese Entwicklung durch die Pandemie beschleunigt, denn sie mussten den Mitarbeitern alle Tools bereitstellen, um weiterarbeiten zu können. IT und Technik werden daher auch 2021 ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Employee Experience sein.
    Die Konsequenz ist eine Zusammenarbeit zwischen dem IT-Bereich und der Personalabteilung, um nicht nur den Bedarf an Ressourcen zu ermitteln, sondern auch um die Herausforderungen des technischen Arbeitsalltags zu meistern.
  9. Frauen fördern und binden
    Wegen Prioritäts- und Zuständigkeitskonflikten haben viele Firmen im Corona-Jahr weibliche Fachkräfte verloren. Laut einer McKinsey-Studie zur Arbeitssituation der US-amerikanischen Frauen (Women in the Workplace 2020) „denken mehr als ein Viertel der Frauen über etwas nach, was vor nur sechs Monaten undenkbar gewesen wäre: im Beruf zurückzustecken oder ganz aufzuhören.“
    2021 wird daher mit neuem Elan darauf hingearbeitet, systembedingte Barrieren zu überwinden, die immer noch den beruflichen Aufstieg von Frauen hemmen. Zu diesem Zweck müssen Maßnahmen gegen die Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen zur Priorität erklärt werden. Hierbei geht es auch um die oberen Führungsränge, in denen Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind.
  10. Mitarbeiter-Feedback auch über soziale Medien
    In diesem Jahr wird das aktive Einholen von Feedback durch passives „Zuhören“ ergänzt: Auch das, was die Mitarbeiter auf internen Plattformen und/oder in sozialen Medien äußern, fließt in die Rückmeldungen ein. So gewinnen die Unternehmen einen umfassenden Überblick über die Themen, die ihren Angestellten wichtig sind. Der EX-Manager der Zukunft wird beide Formen des Employee Listening nutzen, um Erkenntnisse für seine Employee-Experience-Programm zu sammeln.
    11. Ruhigere Phasen sorgen für eine bessere Balance und Konzentration
    Auch die Art und Weise, in der sich die Unternehmen um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter kümmern, ist reif für eine Erneuerung: 2021 werden die Arbeitgeber Stunden, Tage oder gar Wochen einführen, in denen unternehmensweit keine Meetings abgehalten oder neue Aufgaben gestartet werden dürfen. So haben die Beschäftigten mehr Zeit, ihr Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu kriegen.
  11. Einstellung ehemaliger Mitarbeiter
    Da viele Unternehmen im letzten Jahr qualifizierte Mitarbeiter verloren haben, müssen sie 2021 Möglichkeiten zum Wiedereinstieg schaffen. Dazu sollten sie flexible Arbeitsmodelle oder Teilzeitverträge anbieten, also Arbeitskonzepte, die sich für den jeweiligen Mitarbeiter am besten eignen.
  12. EX-Daten in Reichweite
    2021 wollen die Unternehmen die Möglichkeit haben, EX-Daten zu analysieren und einzubinden. Wichtig wird ihnen der Zugriff auf zentrale EX-spezifische Kennzahlen sein, die auf allen Betriebsebenen leicht zu kommunizieren und zu verstehen sind – denn diese Zahlen geben Aufschluss darüber, wie es den Menschen im Unternehmen geht.