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Mike Vandenhooft: „Amazon könnte Versandapotheken in Europa kaufen“

Redaktion an 22. Oktober 2018 - 12:51 in e-Commerce Interviews

Gründer von Newpharma, die erste Versandapotheke Belgiens, Mike Vandenhooft bietet eine Analyse des Bereiches der online Apotheke in Deutschland. Seiner Meinung nach, steht der deutsche Markt, den er als Pionier und besonders konkurrenzfähig beschreibt, bei Anbruch einer Festigung, bei welcher ein Riese wie Amazon eine wichtige Rolle spielen könnte. Ihm Zufolge könnte der Gigant des online Handels planen, sich in Europa niederzulassen, nachdem er PillPack in den USA erworben hat. Begegnung mit dem belgischen Geschäftsführer.

Mike Vandenhooft

Mike Vandenhooft ~ Newpharma: „Amazon könnte Versandapotheken in Europa kaufen“

Sie sind eine belgische Startup, die sich mit dem Versand von rezeptfreien Medikamenten beschäftigt. Was bedeutet der deutsche Markt für Ihr Geschäft?

Deutschland ist ein wichtiger Markt für den Bereich der Versandapotheke im Allgemeinen. Newpharma hat sich zuerst mit dem belgischen Markt beschäftigt, wo wir auch enstanden sind. In Belgien ist es den online Apotheken immer noch nicht erlaubt, rezeptpflichtige Medikamente zu verkaufen, sondern OTC und Drogerie Artikeln, wobei es in Deutschland schon seit 2004 zugelassen ist. Unseren e-Shop gibt es auf deutsch und wir liefern auch regelmäßig nach Deutschland (ausgeschlossen rezeptpflichtige Medikamente), auch wenn es zur Zeit nur einen kleinen Anteil unseres Unternehmens entspricht.

Wir würden Sie die Entwicklung des Bereiches der Versadapotheke in Deutschland auslegen ?

Deutschland ist eines der ersten Länder, das den online Verkauf von Medikamenten autorisitert hat. Kurz nach dem Verinigten Königreich, der Schweiz, der Niederlander oder Schweden, aber lange vor anderen Ländern wie zum Beispiel Frankreich, Irland, Österreich, Belgien, Portugal oder Italien. Es ist besonders interessant festzustellen, dass mehrere Akteure in Deutschland von den Niederlanden aus angefangen haben. Dieses Land hat sich der Zulassung sehr früh angeschloßen (heute ist diese Zulassung in nur 7 Länder effektiv). DocMorris hat sogar angefangen, in Deutschland zu verkaufen, schon bevor deutsche Versandapotheken überhaupt erlaubt wurden. Noch heute zählen zwei der größten in Holland basierten Versandapotheken zwischen den meist aktiven online Apotheken Deutschlands, was ziemlich eigenartig ist. Außerdem erreichen die größten Versandapotheken dort hohe Umsätze, da sie rezeptpflichtige Medikamente verkaufen können und deren Preis nicht besonder günstig ist. Somit kann man auf dem deutschen Markt Mitspieler finden, deren Umsatz sich den 200 oder 300 Millionene Euro nähert.

Wie würden Sie die Entwicklung der Rechtsvorschriften in Deutschland auswerten, besonders bezüglich der Nische der Versandapotheken, die, in ganz Europa, spezifischen Vorschriften unterzogen werden ?

Da die Niederlande 2002 den Verkauf von Rx innerhalb und außerhalb des Landes erlaubt hat, begann DocMorris sehr früh in Deutschland zu verkaufen. Wie gesagt, sogar schon vor den deutschen Versandapotheken. Dieser „Kraftakt“ von DocMorris hat die EU dazu geführt, eine Richtlinie einzuführen, die den online Verkauf von OTC innerhalb der Mitlgliedsländern erlaubt. Anderseits können die einzelnen Länder über den Rx Verkauf selbst entscheiden. Diese Richtlinie führte also 2004 zur Regulierung in Deutschland, jedoch hat die deutsche Regierung einen festen Preis für diese Medikamenten erhoben. Die deutschen Versandapotheken haben also keinen Einfluß auf diesen Preis. Dagegen ermöglicht ein europäisches Gesetz online Apotheken aus anderen Ländern einen Bonus oder eine Rabatt anzubieten, und zwar auf Bestellungen, die mindestens ein rezeptpflichtiges Medikament enthalten, was die Lage ziemlich erschwert. Die fehlende Vereinheitlichung zwischen europäischen und deutschen Gesetzen schafft einen ständigen Kampf zwischen der deutschen Regierung, der europäischen Union un den Versandapotheken.

Es scheint so, als ob ein gewisser Drick ausgeübt wird, um den Versand von Rx wieder einzustellen…

Tatsächlich. Die Koalition, und ganz besonders der Gesundheitsminister Jens Spahn, plant einen Rx Versandverbot. Er wird dabei von der ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) unterstützt. Das Projekt wird mit mehreren Gründen gerechtfertigt. Viele denken nämlich, dass der online Verkauf von rezeptflichtigen Medikamenten immer mehr klassischen Apotheken zum schließen bringt. Ein Apotheker hat sogar eine Petition gestartet und die nötigen 50.000 Unterschriften erreicht. Spahn soll in Kürze bezüglich des Verbandverbotes Stellung nehmen. Dadurch ist eine gewisse Spannung auf dem Markst entstanden.

Würden Sie sagen, dass der deutsche Markt konkurrenzfähig ist?

Ja, sehr sogar. Es liegt daran, dass die Zulassung für online Apotheken früh erteilt wurde. Laut des BVDVA (Bundesverband Deutscher Versandapotheken), ist es 2.943 der 20.900 existierenden Apotheken erlaubt, online zu verkaufen. Es gibt viele Akteure auf dem deutschen Markt, und nur wenige ausländische Firmen trauen sich, die Grenze zu überschreiten um dort als Fremder einzusteigen. Vor allem, da mehrere große Versandapotheken, die an der Börse notiert sind, sich gegenseitig um den Titel der größten Apotheke bekämpfen. Deren Zulassung zum Börsenhandel erlaubt ihnen sogar, Übernahmen zu tätigen.

Meinen Sie, dass gerade eine Festigung des Marktes auftritt?

Ja, es ist offensichtlich. Viele Marken werden sich langfristig zusammenschließen. Es ist eine klassische Entwicklung, die sich für die Akteure des Marktes auch als logisch erstellt : es wird ihnen nämlich eine Stärke bezüglich des Sourcing der Produkte gewährleisten. Das kann sich als entscheidend erweisen, da die Spanne im Allgemeinen ziemlich geringen ist. Letztlich konnte man es schon feststellen. DocMorris und Shop-Apotheke haben einige andere Versandapotheken übernommen. Zur Rose, der Anteilseigner von DocMorris, hat zum Beispiel BlueCare (Verwaltung der Gesundheitsfürsorge), Eurapon, Vitalsana in der Niederlande, die online Abteilung von Apo-Rot und den Spanier Promofarma erworben. Shop-Apotheke hat, seinerseits, den Belgier Farmaline, den Holländer Europa Apotheek und den Deutscher Nu3, der sich auf Nahrungsergänzungsmitteln spezialisiert, übernommen. Und es werden wahrscheinlich noch weitere Übernahmen geben.

Denken Sie, dass ein Wirtschaftsteilnehmer wie Amazon in dieser europäischen Festigung eine Rolle spielen könnte?

Auf längere Sicht könnte Amazon einen der größten Teilnehmer wie DocMorris oder Shop-Apotheke, die in Deutschland gut verankert sind, kaufen. Die Firma von Jeff Bezos hat im letzten Juni den Amerikaner PillPack erworben. Wir wissen, dass Amazon sich zuerst immer in des USA entwickelt, aber irgendwann wird er das Schema auch in Europa wiederholen. Also würde eine Übernahme von DocMorris oder Shop-Apotheke mich nicht überraschen. Es wäre eine Möglochkeit, auf dem europäischen Markt schnell einzusteigen Fuss zu fassen. Und jeder weiß, dass Amazon nicht gerade geizig ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es irgendwann mal passiert.

Wie stellen Sie sich die Entwicklung der Leistungen der Versandapotheke in den kommenden Jahren vor?

Ich denke, dass, auf Dauer und in ganz Europa, die online Apotheken Rx verkaufen dürfen. Es ist ein richtiger Vorteil für den Konsumenten, denn er zahlt weniger und bekommt das Produkt nach Hause geliefert. Es wird sich also schrittweise überall in Europa durchsetzen. Dazu werden die verschiedenen Versandapotheken immer mehr personalisierte Dienste anbieten. Der Service wird für jeden Kunden fast maßgeschneidert sein. Anstatt ganze Packungen für einen Massenkonsum zu versenden, wird es möglich sein, nur kleine Beuteln mit genau die richtige Dosis für jeden zukommen zu lassen. Oder vielleicht wird man Mischungen von Nahrungsergänzungsmitteln anbieten, die auf den einzelnen Mängeln oder Bedürfnissen angepasst sind. Man könnte sich vorstellen, dass all dies auf Resultaten einiger Gesundheitsanalysen basiert (Blutproben und mehr). E-Health wird sich deutclich entwickeln und die Versandapotheken haben in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle zu spielen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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