Dominic Veit,Geschäftsführer youngculture Deutschland

Dominic Veit ~ youngculture

Wir haben heute Herrn Veit, Geschäftsführer youngculture Deutschland, zu Besuch. Von ihm wollen wir erfahren, was an youngculture so besonders ist, aber auch, welche Perspektiven und Herausforderungen er im Bereich E-Commerce sieht.

Herr Veit, stellen Sie uns zunächst bitte youngculture in kurzen Worten vor.

Seit 1996 bietet youngculture Unternehmen mit Bedarf an Maintenance und/oder Development komplexer Lösungen seine Dienste an. Unser Fokus liegt dabei auf spezialisierten IT-Dienstleistungen, die wir in langfristig ausgelegten Partnerschaften mit unseren Kunden erbringen. Im Gegensatz zum oft zitierten „Hire and Fire“ sehen wir die nachhaltige Unterstützung unserer Partner durch dedizierte Teams und deren vollständige Integration in die Prozesse und die Organisation des jeweiligen Unternehmens als unverzichtbaren Faktor für dauerhaften Erfolg an.

Unser Ziel ist dabei die langfristige Wissensbindung in den Teams, denn diese ist die Voraussetzung dafür, die Anforderungen des Kunden genau zu verstehen. Auf dieser Grundlage gelingt dann die effiziente Umsetzung der Kundenwünsche, sowohl on Site als auch in unseren Entwicklungszentren.

Alle zur Verfügung gestellten Ressourcen von youngculture werden kundenspezifisch konzipiert und stehen dem jeweiligen Kunden langfristig und dediziert zur Verfügung. Durch die Standorte Serbien und Rumänien können wir hochqualifizierte Spezialisten anbieten, ohne die bekannten Nachteile großer räumlicher oder kultureller Distanz in Kauf nehmen zu müssen.

Im Prinzip bieten Sie also Outsourcing an? Was ist dabei der besondere Vorteil von youngculture?

Nein! Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Outsourcing und unserer Philosophie zu verstehen. Outsourcing ist in der Regel eine Entscheidung, die primär auf finanziellen Interessen basiert. Aufgaben werden dafür zu Projekten gebündelt, die in der Art einer Black Box definiert und ausgelagert werden und ein entsprechendes Projektende haben. Diesen Ansatz können und wollen wir gar nicht verfolgen. youngculture betreibt eine andere Philosophie: Wir betreiben mittel- und längerfristiges Nearshore Sourcing. Das sind strategische Partnerschaften zur Wartung und Entwicklung komplexer Lösungen, die wir mit unseren Kunden eingehen. Natürlich gibt es auch einen kommerziellen Anreiz beim Nearshoring, dennoch liegt der Schwerpunkt nicht auf Einsparungen sondern auf erhöhter Qualität und Effizienz. Unsere Kunden benötigen längerfristige Unterstützung, können diese aber nicht – oder nur unrentabel – mit lokal agierenden Dienstleistern abdecken, weil der lokale Job-Markt die erforderlichen Fachkräfte nicht bieten kann. Hier setzen wir mit unseren dedizierten Spezialisten-Teams an.

Das klingt auf den ersten Blick sehr einfach. Wo ist der Haken?

Es liegt auf der Hand, dass für die erfolgreiche Umsetzung etwas Aufwand zur Integration getrieben werden muss, um die Methodologien und Prozesse des Kunden zu vermitteln. Dies ist durch die lange Erfahrung von youngculture meist mittels einiger Workshops erledigt und rasch zum produktiven Betrieb umgesetzt. Wichtig ist aber auch der Wissenstransfer in die andere Richtung: Für den Kunden ist der Umgang mit verteilten Entwicklungsprozessen und Teams meist Neuland, so dass eine weiterführende Beratung dazu notwendig ist, um Effizienz und Qualität der Zusammenarbeit nachhaltig sicherzustellen.

Als weiteres wichtiges Element hat sich die kontinuierliche Prozessbegleitung durch youngculture erwiesen, durch die wir auf geänderte Anforderungen sofort reagieren können, noch bevor daraus Probleme entstehen. Wir halten durch unsere Account Manager und das Operations Management ständig Kontakt zum Kunden und evaluieren die Leistung unserer Teams sowie deren Integration in die Prozesse und Organisation des Kunden in regelmäßigen Workshops.

Und mehr braucht es wirklich nicht für eine erfolgreiche Umsetzung Ihres Konzeptes?

Neben diesen „harten“ Fakten gibt es einen weiteren wesentlichen Erfolgsfaktor, den wir aus der Analyse der häufigsten Probleme bei Outsourcing-Projekten abgeleitet haben: Kulturelle Integration. Dazu unternehmen wir gerade in den ersten Monaten eines neuen Engagements mit einem Kunden alles, um einen ständigen Austausch zwischen den Teams zu gewährleisten. Wir nennen das „Team Onboarding“. Unsere Erfahrung zeigt, dass dieser Prozess von herausragender Wichtigkeit für die langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Daher setzen wir auch nach dieser Phase auf kommunikative Nähe. Das bedeutet: Trotz der alltäglichen Nutzung von Telekommunikationsmitteln wie Telefon- und Videokonferenzen müssen sich die einzelnen Individuen immer wieder persönlich begegnen und die Persönlichkeit des Gegenübers neu erfahren. Nur so stellt sich die Vertrautheit eines eingespielten Teams ein, die letztlich Höchstleistungen ermöglicht.

Diese „Aus- und Aufrüstung“ unserer Kunden mit hochwertigsten Spezialisten samt nachhaltiger Integration auf operativer und kultureller Ebene und konsequenter Performance-Steuerung sind die Bausteine unseres Erfolgs bei Nearshore-Kooperationen, wie wir sie mit vielen namhaften Kunden aus dem DACH-Raum seit Jahren leben.

Das klingt ja in der Tat beeindruckend. Gibt es bestimmte Kerngebiete, in denen Sie Ihre IT-Dienstleistungen hauptsächlich anbieten?

Eines unserer Geschäftsfelder mit ständig wachsender Bedeutung ist der Bereich E-Commerce. Die Zeit einfacher Online-Shops ist vorbei, wer keine Marktanteile an Mitbewerber abgeben will, muss sich mit langfristigen Strategien und Entwicklungen befassen. Hier kann youngculture natürlich hervorragend seine Stärken ausspielen. In den letzten Jahren haben wir viele mittlere und größere Firmen bei solchen Vorhaben betreut. Eines haben wir dabei immer wieder beobachtet: Sobald E-Commerce für ein Unternehmen strategisch relevant wird, stoßen herkömmliche Herangehensweisen nach Projektmanier an ihre Grenzen. Dort leisten wir dann Aufbauarbeit für langfristige Entwicklungs- und Wartungsmodelle. Unser flexibles Konzept erlaubt uns sowohl kurzfristige strategische Maßnahmen als auch langfristige Betreuung und Wartung, bei der ein stabiles Maintenance-Team Anforderungen und Änderungen konsistent durchführt.

Es ist also ein Umdenken bei den Unternehmen notwendig, da der einmal erreichte Stand von Wettbewerbern bald überrundet wird?

Kontinuierliche Weiterentwicklung ist in der schnelllebigen Branche E-Commerce einfach unverzichtbar, und am effizientesten gelingt dies mit stabilen Teams in denen nicht jeder Change Request wieder mit Einarbeitungsaufwand verbunden ist. Wir begrüßen, dass mittlerweile auch bei den Unternehmen eine Umkehr im Denken stattgefunden hat und mehr Augenmerk darauf gelegt wird, wie Prozesse optimiert werden können um nachhaltige Resultate zu erhalten. Das betrifft Themen von der Einbindung von Payment Solutions über CRM bis hin zu ERP und Systemintegration in diesen Bereichen. Diese Abkehr vom „Projekt Hopping“ bedeutet für die Unternehmen auch einen Vorsprung bei der Reaktion auf die Gesamtentwicklung des Marktes.

Die rasche Entwicklung im E-Commerce zwingt Unternehmen also praktisch dazu, umfassende Systemintegration zu betreiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Auf jeden Fall. Es ist keine Untertreibung zu behaupten, dass eine Integration von Shop, Warenwirtschaftssystem, etc. unabdingbar ist. Der Trend ist deutlich: Es gibt keinen isolierten Bereich E-Commerce mehr. Stattdessen geschehen Vertrieb und Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg. Dieser Multi-Channel-Commerce wird von den Kunden nicht nur gut angenommen sondern sogar erwartet und gefordert. Die Herausforderung dabei ist, dass der Kunde während des Kaufs verschiedene Kanäle nutzen kann und jeder einzelne Schritt innerhalb des Kaufprozesses den Kunden auf verschiedenen Wegen zum Ziel führen kann.

Und wie kann das Unternehmen hier mit den Erwartungen der Kunden Schritt halten?

Einer der wichtigsten Punkte bei jeder derartigen Implementation ist daher die Führung des Kunden, unabhängig davon, in welchem Vertriebskanal er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt bewegt. Das funktioniert nur, wenn die Daten des Backends in allen Verkaufskanälen jederzeit aktuell sind. CRM und Warenwirtschaft samt deren Integration in die E-Commerce-Lösungen stellen einen Erfolgsfaktor dar, der darüber entscheiden kann, ob die Kundenführung gelungen ist oder nicht.

Angesichts der komplexen Wechselwirkungen zwischen CRM, Warenwirtschaft und E-Commerce Solution vor dem Hintergrund immer rascher auftretender Änderungen bei Anforderungen und Vorgaben ist es nicht verwunderlich, dass diese drei früher isolierten Systeme immer stärker miteinander verschmelzen und immer häufiger in einer gemeinsamen Business-Lösung zusammengeführt werden.

Ein Paradebeispiel dafür ist hybris als Multi-Channel-Commerce-Solution, erst kürzlich von SAP akquiriert. Aus der Integration von SAP und hybris werden sich enorme Synergiepotenziale ergeben.

Die Kombination aus (teilweise schon vorhandenem) SAP und hybris als E-Commerce-Lösung ist also quasi die ultimative Strategie?

Fakt ist, dass sich durch die Akquisition sowohl für SAP als auch für hybris eine Vielzahl neuer Möglichkeiten ergibt. Die Integration der beiden Schwergewichte hat echte Sprengkraft und wird am Markt für deutlichen Aufruhr sorgen. Dabei werden sowohl Endkunden als auch die Unternehmen von den neuen Möglichkeiten profitieren. Für Firmen wird etwa der komplexe B2B-Bereich neue Impulse erhalten, etwa bei Preis-Handling, Logistik oder Customer Service. Für den Endkunden könnten die Bereiche Customer Records und Segmentierung besonders nützliche Ergebnisse mit sich bringen, die vor allem eine Vereinfachung der Prozesse und damit ein komfortableres Einkaufserlebnis versprechen.

Damit wären wir übrigens bei einem weiteren unserer Kerngebiete, E-Commerce Solutions. Wir bewerten hybris als extrem machtvolles Instrument und haben uns deshalb bereits der Zertifizierung als hybris-Dienstleister unterzogen, um unser Commitment und unsere Leistungsfähigkeit zu dokumentieren.

Welche Leistungen können Sie interessierten Kunden als zertifizierter hybris-Dienstleister denn bieten?

Natürlich bieten wir als zertifizierter hybris-Dienstleister in erster Linie die Leistungen aus unseren beiden Kernbereichen an. Das sind das zuvor schon beschriebene Enterprise Nearshore Sourcing und darüber hinaus das Solution Engineering, wo wir strategische Initiativen umsetzen sowie Implementierungsprojekte entwickeln und durchführen. Wie in allen Bereichen liegt unser Hauptaugenmerk dabei auf einer langfristigen Partnerschaft mit klaren Strukturen und Methodiken, damit wir unsere Teams erfolgreich direkt in die Abläufe des Kunden integrieren können. Der Grund dafür ist simpel: Unsere Herangehensweise liefert größtmögliche Agilität und Qualität für die Umsetzung der Kundenanforderungen. Wir erwarten von unseren Teams höchstes technologisches Verständnis und erstklassige Qualität, daher unterziehen wir unsere Software Engineers einem aufwendigen Schulungsprogramm bevor sie einem Kunden zugeteilt werden. Im Bereich hybris bedeutet das für jeden neuen Entwickler beispielsweise eine dreimonatige Lernphase, in der Basisinhalte und erweiterte Kenntnisse zu den einzelnen hybris-Modulen vermittelt werden. Während dieser Phase wird nicht nur theoretisches Wissen vermittelt sondern durch dediziertes Mentoring und konkrete Implementation von Anforderungsprofilen das vermittelte Wissen sofort in der Praxis vertieft und verankert.

Sie betreiben also gehörigen Aufwand, um den Erwartungen Ihrer Kunden gerecht zu werden?

Unser Modell bringt es mit sich, dass unsere Kunden selbstverständlich Höchstleistungen von uns erwarten, und deshalb erwarten wir diese auch von unseren Engineers – und wir tun alles dafür um ihnen das möglich zu machen. Es ist für uns undenkbar, einen Entwickler ohne vorheriges Training in ein Engangement beim Kunden aufzunehmen, denn auch ein Senior Java Developer ist noch lange kein hybris Developer. Daher sorgen wir dafür, dass er ein hybris Developer wird – erst dann kann er in hybris-Projekten mitarbeiten.

Mit der Ausrichtung auf langfristige Partnerschaften grenzen wir uns vom Portfolio vieler anderer hybris-Dienstleister klar ab. Wir meinen: Die Komplexität heutiger E-Commerce-Systeme und -Projekte ist schlicht und einfach zu groß, um dauerhaft in klassischen Projektvorhaben steuerbar zu sein. Deshalb bieten wir langfristige Kooperationsmodelle, Sicherheit und Konsistenz in der (Weiter-)Entwicklung und Wartung, kombiniert mit dem Spezialwissen und der Beratung für den Wachstumsmarkt Multi-Channel-Commerce.

Diese volle Integration ist also geradezu ein Garant für den Erfolg?

Sagen wir mal so: In jeder unserer Kundenbeziehungen haben wir die vollständige Integration als Erfolgsfaktor erlebt und belegt. Die Idee dazu basiert auf unseren eigenen Erfahrungen, als wir vor Jahren selbst als Produkthersteller nach Entwicklern suchten, und aufgrund der damaligen Lage am Arbeitsmarkt auf Offshore- und Nearshore-Dienstleister ausweichen mussten. Damals trafen wir auf genau die Probleme, die wir heute mit unserem Konzept erfolgreich eliminieren. Die Entfernung zu unserem externen Team war einfach zu groß. Daher betreiben wir heute Entwicklungszentren in Rumänien und Serbien, daher fällt beispielsweise die Zeitzonendifferenz (+1/0 Stunden) praktisch weg. Auch verkehrstechnisch sind wir „nahe dran“, unser Entwicklungszentrum in Belgrad ist beispielsweise gerade einmal 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Das sind wichtige Faktoren für eine allseitige aktive Team-Integration jenseits elektronischer Hilfsmittel.

youngculture ist also eher der strategische Partner, der das Unternehmen entlastet so dass es sich auf seine Weiterentwicklung konzentrieren kann, statt „nur“ ein Dienstleister?

Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten unserer Kunden auf Wachstumskurs gehen, sobald sie den Schritt hin zum Nearshoring erfolgreich vollzogen haben. Dazu gehört natürlich auch die Anpassung der eigenen Prozesse. Wichtig ist, dass die Integration auf allen Ebenen reibungslos funktioniert. youngculture minimiert das Risiko während der Ramp-up-Phase und gestaltet den Aufbau der Beziehung zum Kunden so, dass die optimale Basis für Wachstum entsteht.

Herr Veit, wir bedanken uns bei Ihnen für dieses informative Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit diesem innovativen Geschäftsmodell.