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Interview mit Sandro Spieß, Eventbrite: Die tiefe Integration mit Facebook war erst der Anfang

Eventbrite ist einer der weltweit größten Anbieter für digitale Ticketing- und Event-Technologien. Auf Webseite oder mit der Eventbrite App stellen Veranstalter ihre Events in wenigen Minuten online und können sofort damit beginnen, digitale Tickets dafür zu verkaufen. Eventbrite ist komplett für Handys optimiert, mit Apps für Veranstalter, die Ticketscanner ersetzen, und für Besucher/Fans, die ihre Tickets einfach auf ihrem Handy vorzeigen können – als Alternative zum Papierticket, das Eventbrite ebenfalls anbietet.
Redaktion an 7. April 2017 - 16:44 in e-Commerce Interviews
Sandro Spieß

Sandro Spieß: Die tiefe Integration mit Facebook war erst der Anfang

Sandro Spieß, Marketing Manager Deutschland, ist seit über sechs Jahren eine der Triebfedern im deutschen Online-Ticketing und seit 2015 bei Eventbrite tätig. Er ist für die Marketingstrategie des Unternehmens in Deutschland verantwortlich und verfasst neben der Planung und Durchführung von Marketingkampagnen regelmäßig Whitepapers und Reports zu den Themen Event Promotion, Social Media und nachhaltige Events.

Hallo Herr Spieß, Eventbrite will den Ticketverkauf in Social-Media-Kanälen und auf fremden Websites optimieren. Wie soll das gehen?

Das Konzept hinter diesem “Distributed Commerce” ist eigentlich ganz banal, aber technisch hochkomplex: Sie stoßen auf einer Ihrer Lieblingsseiten oder-Apps auf eine Veranstaltung oder ein Produkt, das Ihnen gefällt. Über eine personalisierte Anzeige, eine Empfehlung eines Freundes auf Facebook, oder eine automatische Platzierung des Kooperationspartners (wenn Sie z.B. ein Lied ihrer Lieblingsband hören, werden Ihnen Tickets für das nächste Konzert angeboten). An dieser Stelle kommt die Neuerung: Statt für die Transaktion erst auf eine andere Seite, zum Beispiel zu einem (Ticket)shop, weitergeleitet zu werden, können Sie das Ticket dafür jetzt an Ort und Stelle kaufen.

Das hat zwei große Vorteile in Hinblick auf die Konversionsrate: Zum Einen begegnen wir dem Kunden in einer vertrauten Umgebung, in der auch die Transaktion stattfindet. Der Vertrauensvorschuss des gewohnten Angebots färbt so auf Eventbrite und die angebotene Veranstaltung ab, und Fans oder Besucher greifen eher zu. Und: Weil sie nicht erst umgeleitet werden, sondern an Ort und Stelle kaufen können, geht das deutlich schneller als bisher. Und weniger Schritte erhöhen bekanntlich die Konversionsrate. In den USA können Sie Eventbrite-Tickets auch schon auf Facebook kaufen und erhalten, ohne das soziale Netzwerk jemals zu verlassen.

Ganz neu ist die Idee vom Vertrieb über Social-Media Kanäle ja nicht – in wie fern bringt Eventbrite mit dem Distributed Commerce da etwas neues auf den Markt?

Das stimmt, an Anzeigen und Buy Buttons auf Social-Media oder anderen Online-Angeboten haben wir uns schon längst gewöhnt, aber noch leiten die meisten auf andere Seiten weiter. Distributed Commerce geht da weiter. Die Abwicklung des Kaufprozesses an Ort und Stelle ist viel eleganter und zuvorkommender, weil potenzielle Käufer nicht erst auf eine andere Seite umgeleitet werden, sondern direkt auf ihren Lieblingsseiten oder in ihren Lieblingsapps zugreifen können: Bilder, Posts, Anzeigen, News, sogar Songs werden “shoppable”. Man kann also direkt auf ein Produktfoto klicken und dieses Produkt kaufen, ohne die Plattform zu verlassen. Da steckt viel Entwicklungsarbeit dahinter, sowohl bei uns als auch bei unseren Partnern!

Wie wirkt sich dies auf die e-Commerce-Welt aus?

Im Moment fokussieren sich viele Marketer noch darauf, qualifizierten Traffic auf den eigenen Shop zu schaufeln, um ihn dort zu konvertieren. Distributed Commerce dreht das um, sorgt dafür, dass potenzielle Kunden zur richtigen Zeit und am richtigen Ort über das Produkt stolpern – in unserem Fall Tickets für Events – und macht den (Impuls-)Kauf dann so intuitiv und einfach wie möglich. Das setzt natürlich voraus, dass wir ein möglichst weit aufgestelltes Netz an integrierten Partnern haben, wo sich diese Nutzer aufhalten.

Wieso ist das Thema ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt aufgekommen?

Die idee hinter Distributed Commerce ist nicht neu. Das ist ein wenig so wie mit Virtual Reality. Da reden wir seit den Achtzigern drüber, aber erst jetzt kommen die ersten bezahlbaren Headsets auf den Markt. Eine Voraussetzung für Distributed Commerce ist der abgesicherte Austausch von Daten und die entsprechenden Schnittstellen (APIs) auf beiden Seiten. Die brauchen Sie für eine fruchtbare Kooperation mit Partnern, auf deren Angeboten Sie ihre Tickets verkaufen wollen. Wenn Sie sich da als Anbieter einmauern, funktioniert das nicht. Und viele Unternehmen kommen jetzt erst auf den Trichter, wie wichtig diese APIs sind und bauen sie in ihre Angebote ein. Dazu kommt, dass die Technologie der Zahlungsanbieter erst jetzt solche ausgelagerten Transaktionen unterstützen können.

Die Tatsache, dass immer mehr Menschen fast nur noch mit ihrem Smartphone online gehen, ist ein weiterer wichtiger Grund: Weiterleitungen haben schon auf dem Laptop oder PC genervt, und auf dem Handy sind sie ein regelrechter Konversionskiller. Mit einer Direktkauf-Option haben Sie dieses Problem nicht mehr, die Konversionsrate steigt, und Sie machen mehr Umsatz.

Können Sie uns erzählen wie Eventbrite den Distributed Commerce konkret umsetzt?

Da ist zum Beispiel unsere Kooperation mit Facebook in den USA. Sie als Veranstalter setzen Ihr sagen wir Konzert zunächst bei Eventbrite auf, bestimmen die Anzahl, Art und den Preis Ihrer Tickets. Dank unserer Integration mit Facebook erstellen Sie daraus per Knopfdruck ein Event auf Facebook, die Eventdetails werden von Eventbrite übernommen, und die Veranstaltung ist automatisch ein “Facebook Official Event”, was verschiedene Vorteile mit sich bringt. Wer jetzt auf Facebook dieses Konzert entdeckt – zum Beispiel über gezielte Werbung, oder weil es jemand geteilt hat – kann er direkt in der Facebook App sein Ticket kaufen und bekommt es dort auch. Er wird dafür nicht erst auf einen Shop umgeleitet oder auf seine E-Mails verwiesen. Sprich: Wenn er zur Veranstaltung geht, macht er die Facebook-App auf, navigiert zu seinem Ticket und zeigt es am Eingang vor. Viel einfacher geht es nicht mehr. Und ganz ähnlich können Sie sich das dann mit weiteren Partnern vorstellen, wie z.B. Streaminganbietern. Soziale Netzwerke sind ja nur eine Option.

Wie sehen die nächsten Schritte aus? Was planen Sie für die Zukunft?

Die tiefe Integration mit Facebook war erst der Anfang, und natürlich möchten wir die so schnell wie möglich nach Deutschland bringen. In der Zwischenzeit haben wir eine ganz ähnliche Integrationen mit BandsinTown entwickelt, einem Verzeichnis von Bands und Konzerten, und wir sprechen mit weiteren potenziellen Partnern, um unser Vertriebsnetzwerk für unsere Veranstalter auszubauen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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