eCommerce Anzeige
/ e-Commerce Interviews / Interview mit Claus Fahlbusch: Die Paketdienste arbeiten genauso zuverlässig, wie vor der Krise

Interview mit Claus Fahlbusch: Die Paketdienste arbeiten genauso zuverlässig, wie vor der Krise

Wolfgang Schilling an 1. April 2020 - 12:55 in e-Commerce Interviews
Claus Fahlbusch - shipcloud

Claus Fahlbusch im Home Office

Claus Fahlbusch gründete zusammen mit Stefan Hollmann im Mai 2013 den Hamburger Shipping Service Provider shipcloud. Das Unternehmen hat einen auf die Bedürfnisse von Onlinehändlern zugeschnittenen cloudbasierten Service für den Paketversand entwickelt. Wir waren mit ihm im Gespräch über die Herausforderungen in der Branche durch die „Corona“-Epidemie.

Herr Fahlbusch, wie erleben Sie als Shipping Service Provider die aktuelle Situation rund um Corona und Covid-19?

Im Moment sieht es bei uns, abgesehen davon, dass alle unsere Mitarbeiter im Homeoffice sind, so aus, dass wir das tun, was wir immer tun. Will heißen, als Anbieter einer cloudbasierten Technologie für den Paketversand stehen wir im normalen Kontakt mit unseren Kunden, Partnern und den Logistikunternehmen. Das Geschäft läuft unter diesen für uns alle ungewohnten Bedingungen also stabil weiter und unser Service ist in keiner Weise eingeschränkt. Natürlich bemerken wir den ansteigenden Trend in Richtung Online Handel, da die stationären Ladengeschäfte geschlossen sind.

Aufgrund ihrer Kundenklientel und hinsichtlich der Tatsache, dass sie mit allen wesentlichen Logistikunternehmen als Partner zusammenarbeiten, haben Sie einen guten Überblick über die Lage im Online-Handel. Wie stellt die sich aus ihrer Sicht momentan dar?

Grundsätzlich verzeichneten wir im März ein im Vergleich zu den beiden ersten Monaten des Jahres um weit über 30 Prozent erhöhtes Paketaufkommen. Uns fällt aber auf, dass sich die Zahl der Sendungen abhängig von den jeweiligen Branchen in unterschiedliche Richtungen verändert. Da gibt es wirklich Gewinner und Verlierer. Wir sind da gerade im Gespräch mit unseren Kunden, um ein paar beispielgebende Tendenzen herauszufinden. Grundsätzlich kann man aber jetzt schon sagen, dass der Online-Lebensmittelhandel stark wächst. Darunter fallen auch die Winzer, wobei man hier aber auch einberechnen muss, dass viele der neuen Weine des Jahrgangs 2019 jetzt abgefüllt sind und in den Verkauf kommen. Nicht so gut läuft es für Online-Shops, die etwas mit Reisen zu tun haben. Koffer und Rucksäcke sind derzeit verständlicherweise nicht so nachgefragt. Und auch die Lust auf neue Mode ist derzeit nicht sehr stark ausgeprägt. Da hat Trigema-Chef Wolfgang Grupp die Lage mit seinem Satz – „Wenn ich nur noch zu Hause bin, kann ich aus dem Kleiderschrank leben, da brauche ich keine neuen Sachen.“ – ja sehr pointiert zusammengefasst.

Welche Risiken sehen Sie aus ihrer Sicht auf den Onlinehandel zukommen?

Im Vorteil dürften auf jeden Fall kleine und mittlere Händler sein, die ihre eigenen Produkte verkaufen. Wer dagegen im Bereich Dropshipping unterwegs ist, hat entweder schon Schwierigkeiten aufgrund der Unterbrechung der Lieferketten oder wird sie bekommen. Wir weisen unsere Kunden, die viel ins Ausland versenden außerdem auf entsprechende Risiken bei der Zustellung hin. Explizit bei Lieferungen nach Spanien, Frankreich und Italien gilt es sicher zu stellen, dass die Empfänger noch beliefert werden können. Die meisten nicht-systemrelevanten Firmen haben bereits geschlossen. Wählen Sie als Empfängeradresse, sofern möglich, eine Privatadresse und setzen Sie sich vorab mit dem Empfänger in Kontakt, um eine erfolgreiche Zustellung zu validieren. Überlegen Sie vorab, ob eine Lieferung nach Spanien, Italien oder Frankreich momentan wirklich notwendig ist. Bei erfolgloser Zustellung und begrenzten Kapazitäten der Versanddienstleister haben Sie mit der Retoure und Erstattung meist langfristig zu tun. Das kostet Sie Zeit, Geld und Nerven.

Die Kapazitäten der Versanddienstleister sind ein wichtiges Stichwort. Wie steht es um deren Lieferzuverlässigkeit in diesen Tagen?

Die Paketdienste arbeiten grundsätzlich genauso zuverlässig, wie vor der Krise. Allerdings hat der Gesetzgeber Regelungen erlassen, die den Service der Paketdienste unterschiedlich beeinflusst. Bekanntermassen sind viele der Abgabe-/und Abholstellen von DPD, GLS, Hermes und UPS geschlossen, da die Ladenbetreiber schließen mussten. Die Postämter hingegen bleiben weiter uneingeschränkt geöffnet. Damit hat die Deutsche Post / DHL natürlich automatisch einen Wettbewerbsvorteil. Die Heimzustellung funktioniert allerdings nach unseren Beobachtungen reibungslos. Über die aktuelle Situation halten wir unsere Kunden auf dem Laufenden. Im Moment geben wir da folgende Empfehlungen, die auch in unserem Corona Newsticker ständig aktualisiert werden.

DPD: Versuchen sie den Service der Abstellgenehmigung zu nutzen. DPD stellt nur noch kontaktlos zu. Auf die Unterschrift des Empfängers wird verzichtet. Zudem dürfen kleine, flache Pakete, die in den Briefkasten passen, vorübergehend dort hinterlegt werden.

DHL: Nutzen Sie, wenn möglich für den Empfang Ihrer Pakete einen Ablageort oder senden Sie direkt an eine Packstation. Die DHL verzichtet aktuell bei der Übergabe von Paketen ebenfalls auch die Unterschrift des Empfängers. Stattdessen dokumentiert der Paketbote über die erfolgreiche Auslieferung. Sofern der Empfänger damit nicht einverstanden ist, werden die Sendungen zur Abholung in die Filiale gebracht oder an den Absender zurückgesandt.

Hermes: Hermes bietet eine kontaktlose Zustellung an. Dafür wurde eine Lösung entwickelt, bei der die Unterschrift auf dem Scanner entfällt. Stattdessen wird der Sendungserhalt per Fotonachweis belegt. Kund*innen können ihr Paket außerdem direkt aus der Paketankündigung des Händlers, über die Hermes App oder die Sendungsverfolgung an einen WunschAblageort umleiten. Wer seine Pakete dauerhaft an einem WunschAblageort zugestellt bekommen möchte, kann dies direkt bei Hermes beauftragen

GLS: Nutzen Sie die kontaktlose Zustellung, die auch bei GLS möglich. Auch hier kann die kontaktlose Zustellung direkt bei GLS online beauftragt werden.

UPS: Bei Paketen, für die eine Unterschrift erforderlich ist, können UPS Fahrer dies vorübergehend im Namen des Kunden tun, um unnötigen Kontakt über Handgeräte zu vermeiden. UPS bittet Empfänger, die Tür zu öffnen, das Paket anzunehmen und aus Sicherheitsgründen ihren Namen anzugeben. Nicht unterschriebene Pakete werden mit dem Code CV19 plus 11 Zeichen des Empfängernamens als Zustellnachweis gekennzeichnet.

Aber das Wichtigste zum Schluß: Bleiben Sie alle gesund!

Wolfgang Schilling

Wolfgang Schilling

Wolfgang Schilling, arbeitet seit 1992 als freier Hörfunk-Journalist für die ARD und ist seit vielen Jahren ein aufmerksamer Beobachter der deutschen Start-up Szene im Bereich E-Commerce.

More Posts - Website

0 Kommentare beitragen

Senden Sie uns eine Mitteilung Hier

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pin It on Pinterest

Share This