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Ganz Klassisch im Netz: Interview mit Cassandra Wyss

Z. LJepojevic an 28. Mai 2014 - 08:45 in e-Commerce Highlights, e-Commerce Interviews
Cassandra Wyss

Cassandra Wyss (© Marianne Wyss)

Die junge Schweizer Star-Pianistin Cassandra Wyss ist auf den Konzertbühnen der Welt genauso zuhause wie in den sozialen Netzwerken. Das Internet begreift die Künstlerin als Chance, um mit Menschen in Kontakt zu treten und Hemmschwellen abzubauen. Cassandra Wyss nutzt das Netz aber auch ganz gezielt dazu, Informationen über sich streuen und Interesse an ihrer Person und – vor allem – Kunst zu wecken. Ihr erster Plattenvertrag kam sogar über Social Media zustande. Wir sprachen mit der Pianistin über ihre Vorlieben und Aktivitäten im World Wide Web.

Frau Wyss, wie kann eine junge Pianistin das Internet effektiv für sich nutzen?

Die moderne Form der Internetkommunikation per E-Mail oder Chat ist einfach, schnell und sehr direkt. Ein Künstler kann so mit Veranstaltern kommunizieren, über Facebook andere Künstler kennenlernen oder Neuigkeiten austauschen. Auf diese Weise ist es auch schon vor den Konzerten möglich, erste Kontakte zu knüpfen. Dieses unkomplizierte Networken ermöglicht schon mal, das Eis zu brechen und Berührungsängste abzubauen.

Haben die verschiedenen Plattformen auch konkreten musikalischen und künstlerischen Nutzen?

Natürlich! Gerne schweife ich durch das Internet, nutze unter anderem YouTube. Schließlich kann man da auch richtige Raritäten finden. Oder ich suche zum Beispiel ein bestimmtes Rachmaninoff-Klavierkonzert, das ich dann auch gleich als Einspielung mit dem Komponisten selbst finde. Wo macht man das sonst so schnell ausfindig? Zusätzlich habe ich die Möglichkeit, mir fünf verschiedene Pianisten anzuhören und miteinander zu vergleichen. Das ist toll! Auch wenn ich selbst ein Klavierstück einspiele, kann ich das sofort hochladen – was ich in der Regel auch mache.

Was haben Sie noch Besonderes mit und in den sozialen Netzwerken erlebt?

Auch die Anfrage für meinen Plattenvertrag habe ich dem World Wide Web zu verdanken. Dem Chef des CD-Labels sind wohl meine verschiedenen Profile und Videos im Netz positiv aufgefallen. Über Facebook kam dann das Angebot, eine CD mit einem noch weitgehend unbekannten Komponisten einzuspielen. Dank meiner vielen Kontakte auf dieser Plattform entdeckte ich Wilhelm Stenhammar. Anschließend konnte ich mir diesen schwedischen Spätromantiker auf YouTube anhören. Es musste alles sehr schnell gehen, insgesamt blieben mir nämlich für die Zusammenstellung des Programms und der Einstudierung nur zwei Monate.

Cassandra Wyss

Cassandra Wyss: „Plattenvertrag habe ich dem World Wide Web zu verdanken.“ (© Marianne Wyss)

Welche von Ihnen bevorzugten Kanäle speziell für Künstler gibt es im Internet noch?

Es gibt auch Vimeo, diese Plattform ist bei klassischen Musikern und Künstlern sehr beliebt. Ich bin dort ebenfalls vertreten. Auf YouTube erreiche ich vor allem viele Nicht-Klassiker. Die Vielfalt im Internet ist enorm, für alle Bedürfnisse, Geschmäcker ist etwas dabei. Da ich der Meinung bin, dass jeder klassische Musik hören und genießen „darf“, kann ich mich richtig austoben. Es wäre toll, wenn dadurch die Hemmschwelle zur Klassik schwindet – denn genau das hat diese atemberaubende Kunst verdient!

Wie sieht es für Sie als Künstlerin mit dem Schutz Ihrer eigenen Privatsphäre im Netz aus?

Wenn ich nicht will, dass irgendjemand etwas Bestimmtes hört, ein spezielles Bild von mir sieht, eine Information also gezielt nicht haben soll, dann stelle ich sie ganz konsequent nicht online. Alles, was ich von mir selber veröffentliche – eine Biographie, einen Post, einen Tweet oder eine Pressemeldung – ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Da freue ich mich auch, wenn es so viele wie möglich lesen. Ich bin ja eine Künstlerin! Das, was ich mit anderen teilen will, darf auch gesehen und gehört werden, und das, was ich nicht will, dass es publik wird, das stelle ich erst gar nicht rein. So einfach mache ich das. Denn ist die Info erst einmal im Netz, ist es unglaublich schwer, sie wieder rauszukriegen. Man sollte sich also ganz genau überlegen, was man von sich preisgibt.

Wer sich in die Öffentlichkeit stellt, muss in letzter Konsequenz mit einem Shitstorm rechnen…

Die Anonymität durch das Internet ist riesig und man hat so eine Welle an Informationen und eine Flut von Kontakten, da kann sich schnell eine Eigendynamik entwickeln. Doch zerbreche ich mir darüber nicht zu sehr den Kopf. Schließlich muss ich durch meinen Beruf auch damit klar kommen, dass es Leute gibt, die mich nicht gut finden, ich muss ja auch im Konzertsaal damit zurechtkommen. Man kann als Mensch und Künstler nicht jedem gefallen. Das ist in Ordnung so. Selbst im richtigen Leben, Thema: Mobbing in der Schule oder Hochschule kennt man zu genüge. Wo Menschen sind, wird es das immer geben, so ist das Leben.

Haben Sie noch weitere interessante „Ecken“ für sich als Künstlerin im World Wide Web entdeckt?

Was ich auch sehr gerne anschaue beziehungsweise anhöre, sind Live-Streams. Bei einigen renommierten Wettbewerben kann man die ganze Veranstaltung in Echtzeit mit verfolgen. Sogar bei Opernhäusern wie der Wiener Staatsoper erlebt man komplette Vorstellungen via Internet, was ich fantastisch finde. So wird diese faszinierende Welt auch den Menschen zugänglich, die sich durch die traditionelle äußere Fassade leider oft abschrecken lassen.

Tötet das Internet – trotz Livestream – nicht auch ein Stück weit das „wirkliche“ Leben?

Live ist live, es hat nicht denselben Effekt und nicht diese Energie, doch man kann nun mal nicht überall sein. Es hat seine „anderen“ Vorzüge. Wenn Anna Netrebko auf der Waldbühne in Berlin singt, kann man dank Internet zumindest ein bisschen erahnen, wie es dort jetzt „wirklich“ ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Wyss.

Z. LJepojevic

Seit 1996 programmiert er und leitet Projekte im Bereich Web Datenbanken, e-commerce und CMS. In den letzten Jahren arbeitete er als IT Manager eines internationales Pharma Unternehmens, als Online/- Shop Manager, SEO/SEM und leitete Relauch einer großen Online Apotheke. Er ist gelernter Online Programmierer und engagiert er sich in der Entwicklung von OpenSource CMS Software.

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