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E-Commerce ist keine Einbahnstraße – Ein Expertengespräch unter der Köhlbrandbrücke

Claus Fahlbusch und Stefan Hollmann haben vor zwei Jahren den Hamburger Shipping Service Provider shipcloud gegründet und inzwischen fast 2500 Kunden von den Vorzügen ihrer Technologie überzeugt, die es Online-Händlern ermöglicht, vertragsunabhängig mit allen großen Versanddienstleistern zusammenzuarbeiten. Wir waren mit den beiden im Gespräch über Trends und Herausforderungen in ihrer Branche.
Redaktion an 28. September 2015 - 08:14 in e-Commerce Interviews
Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch

Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch

Worin sehen Sie die gegenwärtig größten Herausforderungen für die E-Commerce Logistik?

Claus Fahlbusch: Eindeutig an der Stelle, wo es zur Warenübergabe kommt. Wir gehen da in unserem traditionellen Postverständnis immer von der Haustür als dem Nonplusultra aus. Aber leider klingelt der Postmann dort allzu oft nicht nur zweimal, sondern ganz vergeblich. Ergo muss die Ziel- und Zeitgenauigkeit der Zustellung verbessert werden.

Da spricht also alles für die Paketbox von DHL oder die demnächst verfügbare Unibox von ParcelLock, dem Konkurrenzunternehmen von Hermes, DPD und GLS?

Stefan Hollmann: Oder doch lieber gleich für beide? Denn da haben wir schon wieder ein Problem. Wenn ich mich für die Paketbox entschieden habe, steht der Hermes-Mann mit der Otto-Sendung auch wieder hilflos in meinem Vorgarten. Also ob diese Konkurrenz das Geschäft belebt, weiß ich nicht.

Claus Fahlbusch: Auf jeden Fall sehen wir da ein paar innovative Alternativen. Vor allem auch für den großstädtischen Bereich.

Welche wären das?

Claus Fahlbusch: Da gibt es zwei pfiffige Start-ups, die unabhängig mit allen großen Logistikern zusammenarbeiten. Lockbox funktioniert so, dass man seine Bestellungen direkt an dieses Unternehmen liefern lässt. Die packen das Paket dann in einen verschließbaren Plastikcontainer, der dann, mit einem Stahlseil gesichert, an der Wohnungstür deponiert wird. Etwas weniger martialisch funktioniert Locumi. Da hängt man eine halbwegs schick designte Filztasche an die Tür, in der die Sendung deponiert wird.

Stefan Hollmann: Wem das trotzdem zu unsicher ist, der kann sich seine Pakete auch direkt auf die Arbeitsstelle liefern lassen. Da bietet zum Beispiel die LGI Logistic Group mit pakadoo einen coolen Service für Großunternehmen, der die Annahme von Sendungen für die Mitarbeiter und Onlineshops ganz unkompliziert gestaltet.

Claus Fahlbusch: Mir persönlich gefällt ja auch die Lösung von Volvo, die die Lieferungen in den Kofferraum eines abgestellten Autos möglich machen soll. Technologisch wird das über die App „Volvo On Call“ gesteuert. Als Vorführeffekt auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor anderthalb Jahren hat das auch schon gut funktioniert. Leider habe ich seitdem aber nichts mehr davon gehört. Aber ich fahre ja auch keinen Volvo (lacht).

shipcloud

Claus Fahlbusch und Stefan Hollmann gegründeten vor zwei Jahren Shipping Service Provider shipcloud

Als Shipping Service Provider agieren Sie ja als eine Art Bindeglied zwischen Onlineshop-Betreibern, Logistikdienstleistern und den Kunden. Was hat in diesem Zusammenspiel derzeit die höchste Priorität?

Stefan Hollmann: Das Zeitfenster. Und da geht es schon längst nicht mehr um die reine Schnelligkeit, sondern die möglichst zeitgenaue Zustellung. Man könnte es auch als präzisionsgesteuertes Same Day Delivery bezeichnen. Da gibt es sehr interessante Technologien, die aufgrund der relativ hohen Kosten derzeit vor allem im gewerblichen und reinen B2B Bereich genutzt werden.

Zum Beispiel?

Stefan Hollmann: Der Evertracker. Dahinter verbirgt sich eine auch hier in Hamburg entwickelte cloudgesteuerte Technologie, die vereinfacht erklärt so funktioniert: Man legt seiner Sendung einen GPS-Sender bei. Der kommuniziert mit der Software auf Ihrem Rechner und Sie können mit einer Genauigkeit von plus minus 5 Metern weltweit sehen, wo Ihre Sendung sich gerade befindet. Macht auf Grund der Kosten beim Ordern für Privatkunden noch keinen Sinn, in der Just-in-time getriebenen Industrie schon. Aber das kommt irgendwann auch im B2C Bereich an.

Klingt nach schöner neuer Einkaufswelt, in der der stationäre Handel welche Chancen hat?

Stefan Hollmann: Alle. Wenn er sich auf professionellen Multichannel einlässt. Wir sind jetzt zwei Jahre am Markt, haben inzwischen über 2400 Kunden. Einige sind sozusagen mit uns in den E-Commerce eingestiegen. Und bei vielen steigt die Zahl der Sendungen kontinuierlich. Nicht wegen uns, wir sind da nur eine Hilfe. Aber weil gerade die kleinen Händler im E-Commerce flexibel und schnell sein können. Das ist etwas, was die großen Händler aufgrund ihrer Struktur gar nicht können, selbst wenn sie wollten.

Claus Fahlbusch: Und manchmal will der Kunde ja nur online bestellen und holt sich, wenn es passt, seine Ware dann doch lieber selbst ab. Stichwort Click & Collect, das spart Versandkosten und ist Kundenbindung im besten Sinne.

Wo brennt es Ihnen derzeit am meisten unter den Nägeln?

Claus Fahlbusch: Beim Thema grenzüberschreitender Handel. Wir kriegen zunehmend Anfragen von potentiellen Kunden aus anderen europäischen Ländern. Technologisch alles kein Problem. Doch die Vorzüge, die die Warenverkehrsfreiheit in der EU bietet, können wir einfach noch nicht ausnutzen. Da sind wir einfach auf die Kooperation mit allen Versanddienstleistern angewiesen.

Stefan Hollmann: Sehr wichtig sind auch intelligente Lösungen für das Retourenmanagement. E-Commerce ist keine Einbahnstraße.

Wir bedanken uns für das Gespräch.

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