Gut gekleidet dank Curated Shopping

Gut gekleidet dank Curated Shopping (© modomoto)

In welcher Statistik steht eigentlich, das Männer den Akt des Einkaufens scheuen wie der Teufel das Weihwasser? Denn auffällig viele Start-ups kümmern sich darum, das starke Geschlecht dort abzufangen, wo es sich am liebsten aufhält: Im Netz. So sorgen viele Rasierklingen-, Haarwuchsmittel- oder Müsliabbos dafür, dass der Mann die Frauendomäne Retail getrost aussparen kann. Das beinahe älteste Klischee bedient dabei modomoto.de: So gingen Männer wohl noch nie gerne eigene Klamotten kaufen und hätten erst recht keinen Blick dafür, die Kleidungsstücke richtig zu kombinieren. Und, natürlich, der gut gemeinte Kommentar der eigenen Freundin oder Frau führte auch schon manch Liebende wieder auseinander.

So oder ähnlich muss sich Corinna Powalla gedacht haben, als sie mit Modomoto das Start-up für Curated Shopping, also „Betreutes Kaufen“ 2011 gründete und damit wohl genau ins Schwarze traf. Die Geschichte der jungen Frau, einer Wirtschaftsabsolventin, die gerade mal um die dreißig ist, wird gerne erzählt. Sie ist das Mädchen aus der Provinz, das nun endlich in der Metropole Berlin erfolgreich was mit Mode macht und es dabei schafft, sich selbst unaufgeregt und Casual zu kleiden. Denn darum geht es: Gerade für Männer soll die neue Kleidungsbeschaffung fern ab von Hysterie und Aufgesetztheit stattfinden, und rein zufällig verkörpert Corinna Powalla eben den Typ der Lässigkeit und leichten Eleganz. Die flachen Hierarchien, welche in der eigentlichen Modomoto-Wichtelwerkstatt in Kreuzberg gepflegt werden, schaffen ihr übriges an Vertrauen und Lifestyle. Gerade auch für junge Männer ist die Geschichte beispielhaft und identifikationsstiftend, denn wie sie kommen viele aus einem eher ländlichen Nest in die große Stadt und wollen Teil dieser neuen Umgebung sein, oder sehnen sich zumindest danach, das zu tun. Doch man(n) ist vorsichtig: ein zu angestrengtes Modebewusstsein verrät eher die eigene Herkunft als das sie jene maskiert.

Ist modomoto-Shopping für den Mann gemacht?

Unkompliziert geht es auf der modomoto-Homepage erst einmal los: Auf der aufgeräumten Seite startet man mit einem Fragebogen, der in nur drei Minuten feststellt, um welchen Typ Kunden sich der angehende Curated Shopping-Kunde handelt. Die erste Frage illustriert selbigen, und man erfährt, ob man casual, business casual, urban, trendbewusst oder klassisch gekleidet bevorzugt. Hat man diese Hürde geschafft, wird’s detaillierter. So hat der Kunde nun auch die Gelegenheit, über sich einiges herauszufinden, ob er beispielsweise der Typ „kleinkarierter Hemdträger“ ist oder den eigenen Hals in ein Haifisch- oder Buttondown-Kragen bettet. Nie davon gehört? Nicht tragisch, alle signifikanten Details werden entsprechend gezeigt und mehrere Klickvarianten schützen den Käufer davor, jetzt nur noch kleinkariert zu tragen. So bewegt man sich durch alle Basics, von Pullovern zu Hosen und Schuhen, informiert zu eigenen Größen und sogar zu möglichen Abweichungen.

Hat man sich nun selbst endlich besser kennengelernt und klassifiziert, steht dem Telefon-Beratungsgespräch mit der nun persönlichen Styleberaterin nichts mehr im Wege. Also auch ein wenig flirten? Kann passieren, denn einige Modomoto-Mitarbeiterinnen wissen von kleinen Geschenken wie Schokolade oder gar Fotos der jungen Männer mit neuem Outfit und ähnlichem zu erzählen.

Samwer over the Rainbow?

Natürlich gibt es schon einige Nachahmer, denn, so will es Bill Gates gesagt haben, sei nicht wichtig, wer eine Idee zuerst, sondern wer sie als zweites umsetzt, wohl in Anspielung zu Apples ersten Windows-Gehversuchen, die Gates nach absolviertem Praktikum einfach kopierte, weiterdachte und -verkaufte. Gerade beim Kopieren ist es wichtig, ein beinahe originalgetreues Replika zu entwerfen: So ist das ebenfalls deutsche Start-up outfittery.de auf die schlaue Idee gekommen, möglichst die komplette Funktionalität von Modomoto für die eigen Homepage zu verwenden. Ein Schelm also, wer nicht gleich an den Samwerschen Rocket Internet-Kickstarter denkt. So beschreiben die zwei Gründerinnen das besondere an Outfittery, das wohl erst unter dem Namen „paulsecret.de“ lief, mit “Unser junges Team vereint die Erfahrung aus führenden Positionen bei Zalando, Groupon und smava”.

Sogar das Template der Startseite scheint aus dem selben Baukasten wie Modomoto zu stammen. Außerdem wurde bei den Links sich gar nicht die Mühe gemacht, eigene Bezeichnungen zu finden oder sie gar in anderer Reihenfolge anzuordnen. Auch die Facebook-likes werden bei Original und Kopie an selber Stelle angezeigt. Der einzige Unterschied liegt wohl bei der Zahl- so haben Modomoto wohl einen Vorsprung, den outfittery.de aber möglicherweise aufholt.