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Mobiscope und das Leben der anderen

Gabriel Wohlfahrt an 22. April 2013 - 10:44 in e-Commerce Highlights
Mobiscope - Überwachungsapp

Mobiscope ~ Überwachungsapp

Für die totalen Kontrollfreaks gibt es nun eine neue Spielerei: Die Mobiscope-Überwachungsapp ist da. Eine Funktion, die den Nutzen von Überwachungskameras für jedermann erschwinglich machen will. Eine Idee, die, hätte man sie so in Deutschland erfunden, ganz anders wahrgenommen würde als in „the land of the free“, dem aktuellen Heimatland der inneren Sicherheit. Denn als Nicht-Amerikaner fühlt man sich sofort an Zeiten erinnert, in denen Privatheit noch ein Stück Persönlichkeitsrecht war und sich dafür sogar friedliche Revolutionen lohnten.

Doch lassen wir die Webpräsenz des amerikanischen Startups sprechen: Auf der Webseite werden Sie gefragt, ob Sie denn Ihr Haustier vermissen, wenn Sie arbeiten. Doch das Bild zeigt nicht die treuen Augen unseres besten Freundes, nein es zeigt eine Situation, die, so möchte man meinen, kurz vor der Eskalation steht: Die Gefahr wird dargestellt, mit einem schicken Bild eines, wie könnte es anders sein, iPad, das wiederum einen gefährlich blickenden, getigerten Kater zeigt, der vor dem Aquarium lauert. Natürlich hilft bei dieser Konfliktszene, wie wir sie alle noch aus Comicstrips kennen, eine installierte Kamera, verbunden mit einem Bewegungssensor, das kleine Fischlein vor schlimmen Dingen zu bewahren.

Mal im Ernst: Was würden Sie tun, wenn Sie auf Ihrem schicken iPad entdecken müssten, das die Katze den armen Fisch fangen und fressen will? Alles stehen und liegen lassen, eine Kündigung in Kauf nehmen, sofort nach Hause fahren und hoffen, das der Fisch, nennen wir Ihn „Nemo“, sich die nächste Stunde noch den fiesen Attacken des Katers, den wir nun der Einfachheit halber „Sylvester“ taufen, erwehren kann? Damit Sie nichts verpassen, wäre doch eine Amaturenhalterung für Ihr Überwachungsdevice die perfekte Idee. Fest im Auto installiert könnte Sie so Mobiscope auch vom langweiligen Berufsverkehr ablenken. Doch vielleicht ist es auch Sylvester, dem Sie beim Ertrinken im Aquarium zusehen müssen? Alles Worst-Case-Scenarios, die in unseren kühlen, mitteleuropäischen Köpfen nur ungläubiges Staunen erzeugen.

Natürlich belässt Mobiscope es nicht bei einem Anwendungsbeispiel. Die nächste Frage, ob denn unser Baby glücklich mit unserer Nanny sei, soll uns mitten ins Herz treffen. Natürlich, wir hatten schon immer den Verdacht es könne etwas nicht stimmen. Auch die nicht gerade eindeutig zu bestimmende Ethnie der Nanny auf unserem Beispielbild erschwert diesen Umstand. Doch auch hier bietet uns Mobiscope die Lösung: Wir überwachen Baby und Nanny mit einer Kamera, auf der wir von unserem Smartphone aus sehen können, wenn irgendetwas passiert. Wir bitten ganz charmant die Nanny, sich und das Baby nie aus dem Sichtfeld der Kamera zu bewegen. Ganz einfach! Und so ersparen wir uns und der Nanny eine elektronische Fußfessel und eigentlich ebenso die Notwendigkeit dieser uns jetzt suspekten Aufpasserin.

Ja, wir wissen natürlich, das Werbung in den Vereinigten Staaten alles andere zu sein hat als politisch korrekt. Sie muss den Puls der Zeit treffen und Bedürfnisse wecken, die, einmal erfüllt, Abhängigkeiten bis hin zur Identifikation mit dem Produkt schaffen. Also alles richtig gemacht?

Mobiscope Anwendungsbeispiele

Mobiscope ~ Anwendungsbeispiele

Auch im Beruf ist diese App unabdingbar möchte man fast meinen. Denn sie bietet unserem Chef die Möglichkeit, jeden unserer Schritte zu überwachen, so preist das Infoshield der Firma. Denn nur weil man paranoid ist, heißt das noch lange nicht, das man nicht doch beobachtet wird. So ist die zweite Stufe der Paranoia erst erreicht, wenn man alle anderen überwachen lässt, weil man generell allen oder der Situation nicht vertraut. Fühlen Sie sich ertappt?

Doch bei all der Angst, ein schicker Service lasse uns in die Falle der freiwilligen Selbstüberwachung tappen, sei gesagt, das ein weiterer Service sich als das heimliche Herzstück der Mobiscope-Idee entpuppen könnte. Denn das App erlaubt Ihnen laut der Webpräsenz, auf sämtliche Public Webcams zuzugreifen. So kann man sich auf den Screen seines Smartphones oder Tablets auch schöne und interessante Orte kacheln.

Der ganze Überbau, der an das Sicherheitsbedürfnis der Kunden appellieren will und doch so an der Mitte der Gesellschaft vorbei wirbt, kann schließlich nicht das Argument für einen Kauf sein. Oder doch? Der Service an sich ist praktisch, denn so lassen sich vielleicht Staus oder die Schneequalität der letzten offenen Skigebiete im Frühjahr ausmachen. Doch Moment, bietet uns diesen Dienst nicht schon die örtliche Webpräsenz?

Zusammengefasst: Was bei der Idee hinter Mobiscope eigentlich irritiert ist weniger die typisch amerikanische Angst vor dem schlimmsten. Nein, in diesem Fall fühlt man sich als Betrachter in eine sehr bestimmte Ecke gedrückt. Dieser Druck jedoch hinterlässt nach geraumer Zeit das Gefühl, hier suche ein Bundle an Dienstleistungen seinen Markt noch. Mobiscope fleht nach Berechtigung. Möglicherweise bietet der europäische Markt dem Unternehmen mit diesem Konzept wenig Chancen, sich zu platzieren. Zumindest solange noch diverse Apps den Usern die Möglichkeit verschafft, die eigenen Liebsten zu sehen, wann immer diese wollen, sei es mit Skype oder Facetime. Das Bedürfnis, oft in Bildkontakt mit den weit verstreuten, wichtigen Menschen zu sein ist da und wird garantiert durch genannte oder ähnliche Dienste gedeckt werden.

So gesehen gibt es also andere Möglichkeiten, den eigenen Service zu verkaufen, denn Angst ist nicht nur ein schlechter Berater, sie ist auch nicht gerade das beste Verkaufsargument. Interessante Ansätze finden sich sicherlich auch in wirklich professionellen Bereichen, sei es als flexible Lösung für tatsächliches Wach- und Wartungspersonal, auch wenn der Markt dafür sicherlich etwas kleiner ausfallen wird. Wer also zwischen diesen Zeilen seinen eigenen Nutzen finden kann, dem sei die Softwarelösung von Mobiscope ans Herz gelegt. Sie lässt sich eine Woche lang frei testen und kostet dann 5,95 Dollar im Monatsabo. Sie funktioniert über normale USB-Kameras und natürlich auch über Ihr iPad.

Gabriel Wohlfahrt

Seit seinem Studium der technischen Redaktion beschäftigte sich Gabriel Wohlfahrt mit den Kommunikationsaspekten der Wissensvermittlung auf B2B- und B2C-Seite in Text und Bild. Durch seine breit gefächerten beruflichen Tätigkeiten ergänzt er sein journalistisches Spektrum um Aspekte aus der Betriebswirtschaft, Marketing, Public Relations, SEO und dem Digitalen Markt.

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