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Lieferando und Lieferheld im Kampf um die Marktherrschaft

Gabriel Wohlfahrt an 2. Mai 2013 - 00:37 in e-Commerce Highlights
Lieferando und Lieferheld im Kampf um die Marktherrschaft

Kampf um die Marktherrschaft

Der Kampf um die Gunst des Kunden kennen wir: Wir stellen uns eine kleine Stadt vor, in der es 3 Restaurants gibt. Restaurant A unterscheidet sich kaum von B und C, alle haben Pasta, Pizza und Salate. Doch alle drei wissen: Hat sich der Kunde einmal festgelegt, bleibt er dort, wo er sich wohl fühlt, wo das Ambiente stimmt und natürlich der Preis. Übertragen wir dieses System nun auf die Startups der deutschen Food-Lieferservices, finden wir Lieferando, Lieferheld und Pizza.de, quasi Tür an Tür im Internet. Auch das Angebot unterscheidet sich kaum, und alle drei buhlen darum, das der Kunde sich deren App sich für immer aufs iPhone holt, denn dann scheint die Competition ja entschieden.

Der Name Lieferando riecht durch die phonetische Ähnlichkeit zu Zalando natürlich nach einer unmittelbaren Verbindung zum Samwerschen Rocket-Internet-Universum, doch der Turbo-Inkubator hat hier ausnahmsweise nicht die Finger im Spiel. Dennoch sind namhafte Investoren wie z.B. Macquarie und DuMont Venture mit an Board. Lieferando versorgt erst seit 2009 die Bevölkerung mit ihrem Onlinebestellservice mit Pizza und Pommes.

Mit harten Bandagen

Die Eltern von Lieferheld hören auf den Namen Team Europe und sind auch für große Mengen Geld zuständig, die Lieferheld in den Wettkampf um die Vormacht steckte, weitere Wahlverwandtschaften, wie die zu Delivery Hero wurden jüngst öffentlich gemacht. Pizza.de wiederum rühmt sich, deutschlandweit wohl der größte Anbieter zu sein. Somit dürfte das gemeinsame Ziel von Lieferando und Lieferheld klar sein: Pizza.de vom Thron zu stoßen. Doch anstatt sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbrüdern, kursieren immer eigenartigere Details im schmutzigen Kleinkrieg durchs Internet. Beide Häuser verklagen sich, spionieren sich aus oder manipulieren sich gegenseitig.

So wirft Lieferando Lieferheld vor, den firmeneigenen Server durch Attacken sinnloser Anfragen über mehrere Stunden lahmgelegt zu haben, um so zu vermeiden, dass bei Lieferando bestellt werden kann. Zynisch genug äußerte sich Lieferheld dazu nur soweit, man habe durch den Einsatz legaler Webcrawler beweisen wollen, das die Anzahl der Partnerrestaurants, die ganz zufällig (oder eher auffällig) bei 5600 liegt, was genau der Zahl der Partner liegt, die Lieferheld auch für sich verzeichnet, gefälscht sei. Natürlich wird über die Natur dieser Attacke gestritten, schließlich geht es darum, ob diese als legal oder illegal eingestuft werden soll.

Fabian Siegel, Ex-Geschäftsführer von Lieferheld, sagte dazu im “Spiegel”: Ich bin doch nicht so dumm, mich für einen möglichen Nachteil eines wesentlich kleineren Mitbewerbers strafbar zu machen”.

Konkurrenzkampf und Tatbestand

Lieferando konnte eigentlich froh darum sein, wenigstens das Eingeständnis des „Crawlen“ erhalten zu haben. Doch die Aktivitäten, die zum Absturz der Firmenseite geführt haben, können sie erst einmal nur mit einer Anzeige gegen Unbekannt abstrafen. Doch es ist klar, wer hier zu den Hauptverdächtigen gehört. Schließlich ist ein Ausfall in diesem Ausmaß keine Operation, die von einem Hacker aus Spaß so durchgeführt wird, und man habe ja einen Server, „der bis zu 2.500 Bestellvorgänge in der Stunde abwickeln kann. Selbst dessen Konfiguration werde von einem Spezialisten abgenommen, der auch für die Sicherheit der Bundesbank-Server zuständig ist“. (Quelle: Spiegel)

Nebenbei erwähnt sei, das auch pizza.de ähnliche Attacken zur selben Zeit zu verzeichnen hatte und ebenso nur Strafanzeige gegen Unbekannt stellen konnte. Selbst ganz ohne kriminologischem Talent fällt dem geneigten Beobachter auf, das sich der Kreis der Verdächtigen dadurch verengt. Oder macht man sich als Opfer vielleicht absichtlich unverdächtig? All diese Tatbestände lassen sich natürlich nicht einfach lösen.

Enemy Mine – Im Imagekampf vereinte Feinde

Natürlich sind die Aussagen beider nur als polemisch bewertbar, doch es ist auffällig wie sehr der Konkurrenzkampf beider Streithähne im strafrechtlichen Bereich stattfindet und so am Kunden vorbei geht.

Sich der negativen Publicity bewusst rudern beide Unternehmen auch etwas zurück, und beide Kompetitoren sind sich einig, so meint Jörg Gerbig, Mitbegründer und Geschäftsführer von lieferando.de dazu, “es herrscht kein Krieg im Liefersegment. Es ist eher ein ambitionierter Wettkampf.”

Auch Fabian Siegel, mittlerweile Ex-Geschäftsführer von Lieferheld, gefällt das Wort „Krieg“ in diesem Zusammenhang gar nicht, hat dieses Wort doch gerade in Deutschland auch nicht gerade einen positiven Beiklang. So sagt er dazu: „“Ich empfinde dies auch nicht als Krieg. Es ist aber schon verwunderlich, welcher Fokus auf strafrechtliche Anzeigen hier gelegt wird. Wir konzentrieren uns lieber darauf das bessere Produkt und den besseren Service zu bieten sowie schneller zu wachsen.” (Quelle: deutsche-startups.de: Pizza Wars – Krieg der Lieferdienste)

Wenn zwei sich streiten

Vielleicht ist es auch die Binsenweisheit, das, wenn zwei sich streiten, sich freuende Dritte finden. Und in diesem Fall wäre das ja der größte Konkurrent, Pizza.de, und das wollen nun beide Parteien nicht. Dennoch führt jegliche Art der Konkurrenz konsequent dazu, auch vor Kunden bestehen zu müssen. Auch die Gebrüder Samwer riechen den Braten. Sie gehören nicht unbedingt zu den Entdeckern neuer Chancen im E-Commerce, aber jede nach Erfolg riechende Idee muss man schon vor den Kölnern geheim halten um sie nicht an deren Rocket Internet-Booster zu verlieren.

Lieferhelden unter sich

Helden gesellen sich gerne zu ihresgleichen, so fusionierte Lieferheld vor einem Jahr mit Delivery Hero. Die wirklich einfallslose Namensähnlichkeit ist gerade bei Startups auch immer wieder gern gesehen um den Kunden doch Ähnlichkeit im Namen auch ein ebenso vertrauenswürdiges Produkt zu suggerieren. Doch hier ist es so, dass beide Unternehmen schon verwandt waren und Delivery Hero nun aus dem eigenen Schatten hervortritt.

Delivery Hero bespielt mit den selben Dienstleistungsprodukten den internationalen Markt und ist seinerseits Kind der gleichen Eltern, nämlich Team Europe, einem internationalen Investor und Inkubatoren. Die Einverleibung wird wohl in der Zukunft eine größere Dynamik in alle Aktionen, sich gegen die Konkurrenz stellt, Vorteile für Lieferheld schaffen, es bleibt für Schlachtenbummler also spannend.

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Gabriel Wohlfahrt

Seit seinem Studium der technischen Redaktion beschäftigte sich Gabriel Wohlfahrt mit den Kommunikationsaspekten der Wissensvermittlung auf B2B- und B2C-Seite in Text und Bild. Durch seine breit gefächerten beruflichen Tätigkeiten ergänzt er sein journalistisches Spektrum um Aspekte aus der Betriebswirtschaft, Marketing, Public Relations, SEO und dem Digitalen Markt.

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