Fab am Spree: auf Work-Life-Balance der Mitarbeiter ausgelegt

Fab.com am Spree: auf Work-Life-Balance der Mitarbeiter ausgelegt

Am ersten Juli wurde feierlich in die neuen Berliner Räume des Fab.com geladen. Dort durfte bestaunt werden, wie das nach der Aussage von Wikipedia am schnellsten wachsenden E-Commerce-Unternehmen der Welt sich unter anderem als Arbeitsplatz definiert.

Bei Aperol Spritz oder ähnlichen Misch-Getränken war sogar CEO Jason Goldberg der Presse gefügig und zeigte eben jene Räumlichkeiten, in denen ca. 240 fleißige, junge und natürlich modern gekleidete Menschen an Powermacs die Arbeit verrichteten, die eben das Daily Businness in einem Onlinehandel darstellt. Gegenüber der Jannowitzbrücke und somit im Herzen Berlins und unweit der angesagten Clubs der Stadt befindet sich nicht nur der mehrstockige, alte Klinkerbau, auf dessen 5 Etagen rund um den zweiten Hinterhof gearbeitet wird, sondern auch eine sehenswerte Mensa und ein exklusiver Spreezugang. Dieser lädt zum Grillen ein oder ist just für die Work-Life-Balance der Mitarbeiter ausgelegt.

Das Unternehmen selbst dockt selbstbewusst an den Look und Feel an, den gerade Apple einst popularisierte: Schlichtes Design, funktional, smart, hochwertig und hochpreisig. Beeindruckend, wie sich die Corporate Identity und das Selbstverständnis in jedem Winkel des Unternehmens und an jeder Nasenspitze der Mitarbeiter ausmachen lässt. Für ein relativ frisches Startup, das im Juni 2011 mit 175 000 Mitgliedern in das Format „Shoppingclub“ gelenkt wurde und nun bisher über 10 Millionen Mitglieder gewinnen konnte, ein erstaunlicher Werdegang. Die Basis befindet sich in New Jersey, neben New York und der frischbezogenen Dependance in Berlin gibt es eine weitere in Puna, die den indischen Markt mit Designerprodukten bespielt.

Rekordkapital durch Inkubatoren

Kein so rasantes Wachstum ohne entsprechenden Dünger, denn für Fab.com wurde in drei Fundings phantastische Summen Kapital akquiriert: Weniger als 2 Monate nach dem Start im Juni 2011 konnte Fab Menlo Ventures, Baroda Ventures, the Washington Post, Softech VC SV Angel und nicht zuletzt, und etwas ungewöhnlich, Ashton Kutcher, der Sonnyboy aus two and a half men gewonnen werden. So kamen in dieser ersten Runde 8 Millionen Dollar zusammen. Ein halbes Jahr später legte Adreessen Horowitz noch einmal 40 Millionen dazu. Die Summe beeindruckt kaum mehr, wenn man erfährt das ein knappes Jahr nach dem Start als Shoppingportal und -club im Juli 2012 ganze 105 Millionen Dollar weiteres Eigenkapital durch die schon bekannten Beteiligten sowie Atomico, Pinnacle Ventures und Docomo Capital draufgepackt wurde. Findige Rechner können hier also zusammen addieren, ob der Stapel Ein-Dollar-Noten schon bis zum Mond reicht. Dabei hat Fab.com bis dahin gerade einmal 7 Millionen Produkte verkauft. Der Vertrauensvorschuss der Inkubatoren ist also immens.

Social Media goes Shoppingclub

Die Wurzel des Erfolges von CEO Goldberg lässt wohl auch in der Tatsache finden, das der findige Unternehmer eigentlich vor hatte, mit Fab.com ein weiteres Social Media Portal großzuziehen. Das war im Februar 2010, und Goldberg nutzte damals seine Erfahrungen, die er bei XING AG und Jobster machen konnte. Die Spuren der Social Network Idee sind immer noch zu sehen, angefangen bei der Mitgliedschaft bis hin zu Herzen, die, ähnlich wie ein „like“ bei Facebook, das Begehren ausdrücken und so maßgeblich nach alter Crossmarketing-Manier und der unternehmenseigenen Life-Feed-Aktion Produkte pushen und schon vor dem Kauf personalisieren. Natürlich steht jedem Produkt auch die Möglichkeit des „likens“ via Facebook offen, genauso wie ein Pin-it-Button.

Ohnehin ist Fab.com stark verbandelt mit dem Social Giganten: Im Januar 2012 war Fab einer der ersten Partner von Facebook bei der Integration der damals neuen Timeline. Auch die Assotiation zu Apple ist kein Zufall, da die Firma mit ihrer Mobil-First-Strategie im Oktober 2012 gezielt Produkte entwarf, die für die Mobile App von iPhone und iPad customized waren.

Was wird verkauft?

Sortiert sind die Produkte nach den Kategorien: Möbel, Zu Hause, Kunst, Vintage, Schmuck, Frauen, Männer und sogar Haustiere und Spaß. Für jeden also etwas dabei. Um nicht von den illustren Waren abzulenken, gefällt die Seite durch schlichten Schwarzweiß-Look und Sans-Serif-Schriften. Auffallend und spannend beim Scrollen auf der Seite ist die jeweilige URL, die sich tatsächlich dynamisch verändert und so bei Bedarf eine große Menge an Produktbildern ohne lange Ladezeit generieren kann.

Die Produkte selbst besitzen in etwa die Sortimentsbreite, die auch ein Store wie Blokker anbietet, nur besser und zwingend moderner im Design und hochpreisig. Haushalts-Artikel, Dekoration und Kleidung also für den Lifestyle-bewussten Kunden, von Nippes hin zur lustigen Geschenkidee, zu ausgefallener Designerware oder gar allem zusammen. Dabei bleibt der Lifestyle immer ein wenig amerikanisiert und wie gemacht als Accessoire zwischen iPhone und den roh verputzten Wänden der eigenen, existentialistischen Bleibe in einer Metropole, selbst, wenn jene Lebensumstände vom Kunden dazu gedacht bleiben. Ebenso verhält sich der gekonnte Retro-Mix der Waren, die dem Fab-Lover suggerieren, sich im ewig referenziellen Produktjungel eine angenehme Nestwärme konservieren zu können. Zusammengefasst ist Fab.com also ein perfekt austarierter Mix zwischen Begehren, Lifestyle und der finalen Erfüllbarkeit durch Kauf inklusive Suchtpotential.