Das Weihnachtsgeschäft fängt bei Ebay erst richtig nach Weihnachten an

Das Weihnachtsgeschäft fängt bei eBay erst richtig nach Weihnachten an

So viel ist sicher: Das Weihnachtsgeschäft fängt bei eBay erst richtig nach Weihnachten an. Wenn es Verwandte wieder nicht lassen konnten und statt Gutscheinbriefen und Geldgeschenken sich übereiferten, nach eigenem Geschmack zu schenken, steht man als der Beschenkte oft etwas hilflos da. Wenn man sich dann endlich von sentimentalen Gedanken befreien konnte, jemandem durch die eigene Undankbarkeit weh zu tun, hat so das Geschenkeopfer nun die Gelegenheit, sich selbst reich zu beschenken, und ja, sogar andere Menschen damit glücklich zu machen, in dem der ungeliebte Artikel einfach weiterverkauft wird.

Die Hauptsache ist doch , dass der Beschenkte eben eine hieb- und stichfeste Ausrede parat haben muss, wenn der Verbleib des ungeliebten Geschenks von Oma überprüft wird. Je nach Größe und Art des Artikels kann ihn die Katze gefressen oder die Waschmaschine versaut haben. Ganz wichtig ist, sich dabei bloß nicht in Widersprüche verstricken zu lassen. Die Geschichte muss natürlich mit den Liebsten abgesprochen und um überflüssige Details ergänzt werden, um so authentischer zu wirken. Aber wem die ganze Schauspielerei und die Mimikry zu doch viel werden sollte, dem sei nahegelegt, in der Zukunft die Regel aufzustellen: Sich gegenseitig einen Wunschzettel zu schreiben, bestenfalls mit Artikel-Nummer und Bestell-URL.

Doch geschenkt ist geschenkt und Weihnachten ist vorbei. Also bleibt für dieses Jahr nun vielleicht in der zweiten Runde den Wunschzettel eines anonymen Dritten zu befriedigen und die eigenen Ersparnisse aufzufüllen. Und wo geht das schneller als auf eBay?

Infratest erwartet, das Geschenke im Wert von 617 Millionen Euro an Weihnachten 2012 nicht glücklich machten. Ganz klar landet ein Großteil der Ware auf eBay. So viel Ungeliebtes und Ungewolltes: Wenn das dem Karma des Online-Auktionshauses keinen ernsthaften Schaden zufügen kann! Doch nebenbei dürfte es eBay egal und sogar sehr Recht sein. Denn von diesen Zahlen ausgegangen, wird das Zweit-Weihnachtsgeschäft so eine Provision von ca. 60 Millionen für den Online-Flohmarkt einbringen. Der Online-Gebührenrechner von eBay zeigt in etwa, wie es zu dieser Vermutung kommt. Verkauft man privat in der Rubrik „Kleidung und Accessoires“ einen Artikel mit dem Startpreis von einem Euro und versteigert diesen für 100 Euro, sagt der Rechner ganz klar, das 9 Euro beim Auktionshaus verbleiben. Diese Gebühren fallen an, wenn keinerlei Zusatzoption gebucht wird, sei es mehr als nur ein Standardbild oder die farbliche Hervorhebung in der eBay-Suche. Für gewerbliche Weihnachtsgeschenk-Wiederverkäufer sieht die Sache natürlich etwas anders aus. So berechnet eBay unter den selben Konditionen eine Einstell-Gebühr von 0,25 Euro und eine Provision von 11 Euro.

Für Verkäufer, die wegen fehlendem Mut den Startpreis bei 100 Euro festlegen und der Artikel mit dem selben Preis verkauft wird, zahlt jener private Anbieter zusätzlich eine Einstell-Gebühr von 3,20 Euro zu der Provision von 9 Euro. Der gewerbliche Anbieter fährt unter diesen Konditionen sogar günstiger, zwar zahlt er 11 Euro Provision, aber nur einen Euro Einstell-Gebühr.

Es wäre mühsam, jede Staffelung der Einstellungs-Gebühren die mit der Höhe des Einstellungs-Preises wächst, hier aufzuzählen. Doch wenn das neue, edle Fußbad für einen Startpreis von 250 Euro eingestellt wird, muss man als Verkäufer mit 4,80 Euro als Gebühr rechnen. Natürlich hatte auch eBay die Pflicht auf das seit dem 1.August 2012 gültige Informationspflicht, die so genannte „Buttonlösung“ zu reagieren und bezeichnet nun bei geplantem Verkauf entsprechende Buttons mit „Artikel kostenpflichtig einstellen“.

Summa Sumarum verdient also eBay im Schnitt 10% des Verkaufspreises. Und man denke daran, das vielleicht mancher Artikel schon vorher dort gekauft wurde um auf dem Gabentisch zu liegen und nun schon wieder den Besitzer wechselt. Vielleicht ist es im Sinn aller, doch im nächsten Jahr wieder den Wunschzettel zu bemühen, die beste Idee von den bisher genannten. Ganz zu schweigen von der Umweltbilanz, die ungewollte Geschenke neben bei haben. Schließlich wird von A nach B gefahren um nach C weiterverkauft zu werden. Ein guter Vorsatz für das nächste Jahr könnte also das Verhindern von überflüssigem Konsum und dem einhergehenden Transfer sein- wenn doch nicht alle mit dem ersten Glühwein im Dezember nicht doch wieder die Lust entdeckten, deren Liebsten gut gemeint und von Herzen beschenken zu wollen. Alle Jahre wieder? Definitiv!