EEFC

Die Teilnehmer des „E-Entrepreneurship Flying Circus“ machten auf die Defizite der hiesigen digitalen Gründerszene aufmerksam

Deutschland benötigt einen digitalen Mentalitätswandel! Mit dieser Erkenntnis machten die Teilnehmer des „E-Entrepreneurship Flying Circus“ an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) auf die Defizite der hiesigen digitalen Gründerszene aufmerksam. Mit EEFC-Organisator Prof. Dr. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen diskutierten hierzu neben der Parlamentarischen Staatssekretärin des Bundeswirtschaftsministeriums, Brigitte Zypries, vor großer Kulisse unter anderem SPD-Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil, rebuy-Gründer Tim Fronzek sowie der Hochschulpräsident der HWR Prof. Dr. Bernd Reissert.

Die große Angst vor dem Scheitern

Zwei grundlegende Perspektiven wurden im Laufe des EEFC-Events in Berlin aufgezeigt: Sowohl aus digitaler Unternehmer- als auch aus gesellschaftlicher Sicht müsse ein Umdenken stattfinden. „In Anlehnung an einen Werbespot mit Herrn Klopp: Die Angst vorm Verlieren kann nicht der unternehmerische Antrieb sein. Die deutsche Wirtschaft muss digital gewinnen wollen!“, verdeutlichte Prof. Dr. Kollmann. Das potenzielle Scheitern hemme den Erfolgshunger deutscher Startups, der zudem per se schon nicht groß genug sei.

So warb Christian Nagel, Partner bei EARLYBIRD Ventures, für einen aggressiveren Unternehmergeist in Deutschland: „Wir brauchen einen Typ von Unternehmer, der einfach seine Idee durchsetzen will und nicht darauf hereinfällt, wenn Google mit dem 50-Millionen-Dollar-Scheck wedelt.“

Mehr Akzeptanz für deutsche Gründer, mehr Frauen in digitalen Startups

Brigitte Zypries zeigte die notwendige Entwicklung der deutschen Wirtschaft auf: „Unser Ziel muss es sein, die gut funktionierende Wirtschaft in die Industrie 4.0 zu überführen. Wir brauchen junge Leute, die bereit sind, zu gründen und innovative Ideen zu entwickeln und müssen dann die traditionelle mit der digitalen Wirtschaft fruchtbar zusammenbringen.“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Dafür müsse die Gründungsförderung an den Hochschulen verbessert werden, vor allem weil ein Studium – so TVSMILES-Gründer Frederic Westerberg – „ein strukturiertes analytisches Vorgehen für Unternehmer vermitteln kann.“ Im Umgang mit digitalen Startups müssen jedoch auch die Hochschulen selbst flexibler werden: „Die Universitäten müssen lernen, Gründungen in Form von Credits anzurechnen und zu honorieren“, formulierte Prof. Dr. Ripsas von der HWR.

In Berlin wurde zudem die Rolle der Gründerinnen in digitalen Startups thematisiert.

Aus Sicht von Constanze Buchheim von i-potentials könne die Zahl von weiblichen Startups durch „die Schaffung postiver Rolemodels“ vorangebracht werden, da „die meisten Frauen leider ein negatives Bild vom Gründen haben.“ So zählte sie die Vorzüge vom Gründerdasein auf: „Man hat alles selbst in der Hand, man kann den Alltag gestalten und über seinen Kalender bestimmen. Das führt zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Auch die Vertreter der Hochschule setzen sich für dieses Thema ein – so Prof. Dr. Ripsas, der „das Networking für digitale Wirtschaft in Richtung gemischte Teams vorantreiben“ will. Die Quintessenz der vielseitigen und konstruktiven Gespräche des Tages brachte schließlich Tom Kirschbaum (allryder) auf den Punkt: „Um in der digitalen Wirtschaft international konkurrenzfähig zu werden, muss sich in Berlin – genauso wie in ganz Deutschland – eines ändern: die Einstellung!“

Die weiteren Stationen des EEFC:

Dresden (10.10.), Nürnberg (14.10.), Stuttgart (16.10.)

Partner des EEFC sind der Beirat Junge Digitale Wirtschaft im BMWi, der Bundesverband Deutsche Startups e.V., der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V., der eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., der Förderkreis Gründungs-Forschung e.V., der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. sowie D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e.V. und cnetz – Verein für Netzpolitik e.V.

EEFC Diskussionsrunde

EEFC Diskussionsrunde in Berlin

Organisator der Veranstaltung, Prof. Dr. Tobias Kollmann, ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Seit 1996 befasst er sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen rund um die Themen Internet, E-Business und E-Commerce. Als Mitgründer von AutoScout24 gehörte er mit zu den Pionieren der deutschen Internet-Gründerszene und der elektronischen Marktplätze. Er ist erfolgreicher Autor der führenden Lehrbücher für „E-Business“ und “E-Entrepreneurship” und gehört laut dem Magazin Business Punk (Ausgabe 02/2014) zu den 50 wichtigsten Köpfen der Startup-Szene in Deutschland. Als Investor finanzierte er über die letzten 10 Jahren zahlreiche junge Unternehmen der Net Economy, wofür er vom Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) im Jahr 2012 zum „Business Angel des Jahres“ gewählt wurde. 2013 wurde er als Kernmitglied in den neu geschaffenen Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ des BMWi berufen und auch zu dessen Vorsitzenden ernannt. 2014 beruft ihn der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen Garrelt Duin zum Beauftragten für die Digitale Wirtschaft in NRW.