Die Zalando Story

Die Zalando Story ~ schrei vor Glück (© zalando)

Wer hat sich nicht in den vergangenen Jahren über diesen rasanten Aufstieg gewundert? 2008 gegründet, gilt der Modeversand heute als eine der wichtigsten Adressen im Onlinehandel. Einprägsame Werbung ließ die Firma über Nacht so wirken, als wäre sie schon immer da gewesen. Zur allerbesten Sendezeit ausgestrahlt wusste man plötzlich dank bewerbender Dauerpenetration, das es nur eine Sorte Paket gibt, das den Empfänger zu extatischem Juchzen bringen konnte: Zalando- Schrei vor Glück.

Die Werbung deklinierte die klassischen Aufmerksamkeitsstudie AIDA gekonnt durch: Attention, also die Aufmerksamkeit ab dem ersten Bild durch eine für den Zuschauer noch ungelösten Situation, daraus folgendernd das Interesse an der Auflösung. Desire und Action verleiten so attraktiv vorgespielt zur Nachahmung des Slogans, des Schreis und schließlich der Bestellung beim neuen Onlinehandel-Wunder.

Die Erfolgsgeschichte von Zalando hat nicht nur Ähnlichkeiten mit anderen Start-Ups wie Ebay, JAMBA! oder Facebook, sie ist sogar direkt damit verwandt, das heißt, wenn man der Spur des Geldes folgt, das diese Art der Öffentlichkeitswirksamkeit generieren konnte. Denn schon seit der Zalando-Gründung 2008 von David Schneider und Robert Gentz in Berlin war das Kapital der Brüder Samwer im Spiel.

Sam wer?

Die Kölner Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, alle drei mit bester Ausbildung, nehmen sich Ende der neunziger Jahre den Internetmarkt vor. Zu einem Zeitpunkt, an dem noch mehr über die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Internets orakelt wurde und noch kaum Wunder geschehen waren gründeten die drei ein Auktionshaus namens alando.com. Natürlich ist die Namensähnlichkeit kaum als Zufall zu verbuchen, doch wie genau die Familie Samwer bei Zalando als Taufpate fungierten, bleibt vorerst unklar.

Klar war zu dem Zeitpunkt nur, das die Samwer-Brüder den richtigen Riecher hatten, denn Ebay übernahm alando.com kaum ein halbes Jahr später für 43 Millionen. Mit diesem Gewinn kamen die Brüder bald darauf, dass gerade in der Unterstützung und Erfindung vielversprechender Online-Ideen das Geschäft der Zukunft liegt. So gründeten sie die Firma Rocket Internet und begründeten wohl auch auf europäischen Boden den Begriff Inkubator. Ein Inkubator ist ein Ausbrüter, in diesem Fall von Geschäftsideen und -Strukturen.

Das Familienunternehmen erschaffte innerhalb kurzer Zeit all das, was von den meisten Verbraucher in dieser Zeit wohl als Überpenetration empfunden wurde, wie z.B. den Klingeltondienst JAMBA!. Dieser ließ sogar die Musikprogramme, die jene Werbespots ausstrahlten, bald nur noch wie Lückenfüller zwischen den einzelnen Spots wirken. Vielleicht auch ein Grund für den inhaltlichen Niedergang der Spartensender? Ein anderes Thema, und für die Geschäftsidee der Samwer-Brüder auch gleichgültig, denn es ging ja dabei nur darum, eine Idee solange nach vorne zu treiben, bis sie sich selbst erschöpft und durch eine bessere ersetzt wird. Genau nach diesem Prinzip wird das Geschäftskapital, so stetig wachsend, kurzerhand das Kapital für die großen Ideen von Morgen.

Außerdem waren die Brüder 2008 schon Großinvestoren bei Facebook, dem Start.Up-Wunder schlecht hin. Und die Brüder Samwer waren so zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie längst JAMBA! Für die Rekordsumme von 273 Millionen US-Dollar verkauft.

Rocket Internet schnüffelt sich mit dem richtigen Riecher von einer guten Idee zur nächsten, betätigt sich als Risikolkapitalgeber, und wenn die Idee genau dort ankommt, wo sie am meisten Wert ist, wird der große Anteil an jener Firma für Millionen oder mehr verkauft. Ein gutes Geschäft, mit dem sich durch immer mehr Kapital auch wahnsinnig aufwendige Ideen finanzieren lassen können. Und hier schließt sich der Kreis, die Gebrüder Samwer finanzieren Zalando mit einem rekordverdächtigen Werbe-Etat, das monatlich teilweise die zweistellige Millionengrenze durchbricht. Das Anfangs Verluste eingefahren wurden, die einen Inselstaat vielleicht zur Insolvenz nötigen würden, störte kaum. Denn der Aufwand trug bald Früchte und Zalando gibt einen Jahresumsatz von 510 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2011 an. Nicht schlecht also für ein Unternehmen, das zu diesem Zeitpunkt gerade erst 3 Jahre alt ist. Im August 2012 zählt Zalando ganze 2.750 Mitarbeiter. Deren Internetpräsenz gehört natürlich längst in die Riege der 100 erfolgreichsten Onlineshopseiten in Deutschland. Das Unternehmen ist mittlerweile auch in Frankreich, Italien, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, England, Spanien, Belgien, Schweden, Dänemark, Finnland, Polen und Norwegen präsent.

Doch wenn man sich nun, betrunken am Erfolg des Berliner Start-Ups deren zum Klassiker avancierten Werbung auf Youtube sucht, findet man unter dem Begriff Zalando doch recht aufklärerische Beiträge, die davon berichten, das Zalando seine Arbeiter unfair behandele und schlecht bezahle.

Hoffen wir darauf, das das junge Unternehmen diesen Makel bereinigt, denn so können wir weiter den glühenden Stern der Idee bewundern, und Sterne werfen ja eigentlich keine Schatten.